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Karrierecoach: Wegweiser im Dickicht der Möglichkeiten

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Die moderne Arbeitsgesellschaft beschert Berufsberatern viele Aufträge. Doch bei der Qualifikation der Ratgeber ist Deutschland international im Rückstand.

Ursula K. (Name von der Redaktion geändert) ist unzufrieden mit ihrem Leben, nicht zähneknirschend unglücklich - bewahre - aber es fehlt der 36jährigen Berlinerin doch die Herausforderung. "Eine Arbeit, die meinen geistigen Fähigkeiten, meinen Talenten entspricht." Die vage Vorstellung, dass sich in ihrem Dasein etwas ändern müsse, treibt die alleinerziehende Mutter zweier Söhne schon geraume Zeit um, ohne allerdings eine konkrete Vorstellung zu haben, wohin der Weg gehen könnte. Und so sitzt die junge Frau an einem grauen Wintervormittag im Berliner Büro für Berufsstrategie Jürgen Hesse gegenüber. Der 1951 geborene Psychologe und Autor zahlreicher Ratgeber rund um das Thema Beruf und Karriere hört sich ganz genau an, was Ursula K. berichtet: Neben dem Russisch- und Polnischstudium, das sie als Diplom-Dolmetscherin abgeschlossen hat, verdiente sie schon in Studienzeiten ihr Geld mit Jobs in der Gastronomie. Und dort ist sie dann auch hängen geblieben.

Was leistet der Berufsberater?

Der Berater registriert die biografischen Fakten und Daten - Alter, Vorbildung, Berufserfahrung, zeitliche Vorstellungen, Talente und Neigungen. Ursula K. erzählt von ihrem Wunsch, einen Beruf auszuüben, bei dem auf Dauer nicht so sehr Jugend und Äußeres zählen wie bei der Arbeit hinter dem Tresen einer Szene-Kneipe. Doch der versierte Psychologe lauscht nicht nur den Worten der jungen Frau, vielmehr spürt er dem nach, was sie nicht so genau beschreiben kann. Ihren Hemmungen, etwas Neues zu beginnen, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben, das gut durchorganisierte bisherige Leben aufzugeben.

Hier liegt für Jürgen Hesse der eigentliche Knackpunkt: "Der Leidensdruck ist noch nicht hoch genug", konstatiert er. Außerdem gebe es etwas in der jungen Frau, was die für Veränderungen notwendigen Energien bremsen würde. Rund zehn Beratungsstunden, so schätzt Hesse, würde es wohl dauern, bis er in einem Fall wie dem von Ursula K. gemeinsam mit seiner Klientin herausgearbeitet hätte, wo die eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse lägen und schließlich auch ganz praktisch, in welcher Tätigkeit oder Fortbildungsmöglichkeit die Zukunft liegen könnte. Dabei sind auch radikale Kehrtwenden in der Berufsbiografie durchaus denkbar: So entwickelte sich unter Hesses Fittichen etwa ein Theologe zum Fundraiser, eine Ärztin mit Kontaktschwierigkeiten wandte sich der Forschung zu.

Diese Form intensiver und persönlicher Beratung ist - wenn sie zu solchermaßen befriedigenden Lösungen führt - zwar ihren Preis wert, aber eben nicht gerade billig: 120 Euro kostet eine Beratungsstunde im Büro für Berufsstrategie. Andere Experten, die bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung registriert sind, nehmen ähnliche Honorare, variieren dabei aber teilweise durchaus zwischen Ratsuchenden, die etwa arbeitslos sind oder am Beginn des Erwerbslebens stehen und solchen, die aus einer gut dotierten Position heraus ihren professionellen Rat suchen.


"Berufsberater" kann sich jeder nennen

War bis 1998 Berufsberatung ausschließlich eine Domäne der Bundesanstalt für Arbeit, hat sich seither in diesem Bereich ein weitläufiges Feld auch für selbstständige Berater eröffnet. Allerdings ging damals mit der Freigabe der Berufsberatung keine Definition des Berufsbildes oder etwa Vereinheitlichung der Qualifikationen, die ein Berater mitbringen muss, einher, wie Birgit Lohmeyer vom deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung kritisiert. Vergeblich habe sich damals ihre Organisation bemüht, entsprechende Standards mithilfe der Politik durchzusetzen.

"Voraussetzung sollte ein Hochschulabschluss sein in einem beratungsnahen Bereich, also etwa Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik. Berater müssen fit sein in Gesprächsmethodik, brauchen Kenntnisse des Bildungswesens und Berufskunde und müssen berufliche Perspektiven einschätzen können", fasst Birgit Lohmeyer das vom Verband gewünschte Profil für Berufsberater zusammen. Noch aber kann sich buchstäblich Jeder unter der Bezeichnung Berufs- oder Karriereberater unkontrolliert auf Kundenfang machen.

Neue Studiengänge zum Berufsberater

Um Professionalisierung der Beratung bemühen sich zwei noch junge Studienangebote: Die Dresden International University bietet seit dem Wintersemester 2006/ 2007 einen Zertifikatskurs Beratungsweiterbildung an, und die Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität hat seither sogar ein Studium zum "Master in berufs- und organisationsbezogener Beratungswissenschaft" im Programm. "Berufsberatung ist ein Wachstumsmarkt", konstatiert Birgit Lohmeyer. Der Trend zum lebenslangen Lernen, die häufiger werdenden Umbrüche innerhalb eines Arbeitslebens, die zunehmende Zahl von Frauen, die sich nach der Babypause beruflich neu orientieren und auch der immer undurchdringlicher werdende Informationsdschungel lassen den Bedarf an qualifizierten Berufsberatern steigen.

Das sieht auch der Europäische Rat so und hat im Mai 2004 den EU-Mitgliedsländern aufgetragen, der wachsenden Bedeutung der Bildungs- und Berufsberatung Rechnung zu tragen. Das soll in Deutschland ein Gremium mit dem sperrigen Titel "Nationales Forum Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung" gewährleisten, in dem sich Organisationen und Experten aus allen Bereichen der Berufs-, Bildungs- und Weiterbildungsberatung zusammengeschlossen haben. Die Vorsitzende des Forums, Karen Schober, die hauptberuflich als Projektleiterin der Bundesagentur für Arbeit den Nationalen Ausbildungspakt betreut, sieht in Deutschland Handlungsbedarf. "Die EU gibt den Rückenwind, erhöht den Druck auf die Politik, etwas zu tun." Die Beratung müsse professionalisiert werden, andere Staaten wie etwa Finnland oder Kanada könnten dabei als Vorbilder dienen, so Karen Schober. Außerdem sollten die Angebote besser vernetzt werden, und jedem Ratsuchenden müssten angesichts der steigenden Notwendigkeit lebenslangen Lernens sogenannte niedrig-schwellige Beratungsangebote offen stehen.

So notwendig eine systematische Qualifizierung der Berater und ihre Vernetzung auch sind, im Idealfall kommt bei demjenigen, der sich mit dem beruflichen Wohl und Wehe eines Menschen beschäftigt, auch noch etwas anderes dazu: Intuition. Jürgen Hesse beschreibt das so: "Ich glaube, ich habe das Talent, in Leute etwas zu initiieren, etwas zu entdecken, was sie bisher nicht erkannt haben. Ich kann ihnen helfen, einen neuen Blick für sich selbst zu bekommen." Bei Ursula K. ist noch nicht klar, wohin sie der berufliche Weg führen wird, dafür braucht sie Zeit, vielleicht auch mehr Veränderungsdruck und weiterhin gründliche Beratung.

Checkliste: Wie finde ich den richtigen Karrierecoach


1. Erwartungen konkretisieren:
Definieren Sie zunächst Ihre persönlichen und genauen Zielsetzungen für das Coaching. Benötigen Sie einen Anstoß zur beruflichen Weiterentwicklung? Ist Ihre Karriere ins Stocken geraten? Möchten Sie sich in Ihrem jetzigen Arbeitsfeld professionalisieren? Oder ist es Zeit, sich für den Berufseinstieg bzw. Berufswechsel fit zu machen?

2. Seriöse Anbieter finden:

Fragen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis nach Erfahrungen und Empfehlungen.
Achten Sie auf Tipps und Hinweise in der Presse und in Medien.
Erkundigen Sie sich bei Experten wie dem Büro für Berufsstrategie (www.berufsstrategie.de) oder dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (www.bdu.de) oder der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (www.dgfk.org).

3. Fachkompetenz prüfen:
Da es in Deutschland keine geregelten Voraussetzungen für Karriereberater gibt, helfen Ihnen diese Aspekte:
  • Über welche Ausbildung verfügt der Karriereberater?
  • Welche spezifische Beratungserfahrung kann er belegen?
  • Können entsprechende Referenzen benannt werden?
  • Verfügt der Berater über eigene Berufserfahrung in Fach- und Führungspositionen?
  • Hat der Berater Erfahrung aus der praktischen Personalarbeit?

 
Berät der Berater mit einem bestimmten Branchenschwerpunkt?

  • Wie ist die eigene Karriere des Beraters?
  • Studieren Sie auch die Webseite des Karriereberaters.
  • Erkundigen Sie sich gegebenenfalls über das Angebot und die Konditionen. Ein seriöses Beratungs-Unternehmen verfügt über einen kundenorientierten Service, ansprechende Räumlichkeiten und ist in der Regel in ein Netzwerk eingebunden.
  • Achten Sie auf die Bandbreite des Beratungsangebotes. Karriereberatung hat viele Facetten. Von der Hilfestellung bei Berufseinstieg oder Berufswechsel über Bewerbungstrainings bis hin zur Burnout-Prophylaxe. Ein professionelles Beratungsunternehmen wird dieser Themen-Vielfalt durch spezielle Angebote gerecht.
  • Besondere Vorsicht ist bei angeblichen "Erfolgsgarantien" oder "Schnäppchenpreisen" geboten. Ein seriöser Coach weiß um den Wert seiner Leistung und wird dennoch keine dubiosen Versprechungen machen.

4. Unverbindlich kennen lernen:
Die Beratung der meisten Karrierefragen erfordert mehrere Gespräche. Daher ist ein Vorgespräch notwendig, das in der Regel unverbindlich geführt wird.
Vergewissern Sie sich, dass zwischen Ihnen und dem Coach die "Chemie stimmt". Dies ist ein wichtiger Aspekt, da ein professionelles Coaching immer auch persönliche Bereiche betrifft. Prüfen Sie sein berufskundliches Wissen und seine psychosoziale Kompetenz.

  • Klären Sie konkret Ihr Beratungsanliegen und Ihre Ziele.
  • Informieren Sie sich über das konkrete Vorgehen. Ist eine Mindestanzahl von Sitzungen vorgesehen, und wie wird abgerechnet? Ein seriöser Karriereberater wird nach Klärung der Ausgangs- und Erwartungslage eine konkrete Schätzung und Kalkulation vornehmen können.
  • Erfragen Sie, wie die Beratung konzipiert ist. Ein geschulter Coach arbeitet lösungs- und zielorientiert. Er verwendet Feedback-Methoden und liefert eine präzise inhaltliche Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen. Am Ende des Coachings bietet er ein Auswertungsgespräch an, in dem sie gemeinsam abgleichen, ob die Zielsetzung erreicht wurde.
  • Klären Sie auch, was von Ihnen persönlich erwartet wird. Eine effektive Karriereberatung ist immer als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt. Der professionelle Coach wird daher ganz selbstverständlich Selbstreflexion und aktive Mitarbeit von Ihnen fordern.
  • Das erste Beratungsgespräch sollte sich nicht unmittelbar an das Vorgespräch anschließen, damit Sie in Ruhe das Angebot überdenken können.


5. Der Start in ein erfolgreiches Coaching:
Bringen Sie Offenheit, Vertrauen und eine positive Erwartungshaltung in die Beratung mit. Ihre innere Bereitschaft zu Weiterentwicklung und/oder Neuorientierung bildet die Basis für ein erfolgreiches Coaching. Ein guter Coach wird Ihnen seine Vorgehensweise von Anfang an erläutern und die einzelnen Schritte zum Erfolg bleiben immer nachvollziehbar.


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