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Bewerbung für ältere Arbeitnehmer: Betonen Sie Ihre Stärken

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Nicht nur der Volksmund, sondern auch zahlreiche Studien sprechen älteren Arbeitnehmern mehr Zuverlässigkeit, Erfahrung, und Krisenbeständigkeit zu.

Dem stehen die Fähigkeiten der Jüngeren, wie Mobilität, Aufgeschlossenheit und Dynamik gegenüber. Da die Deutschen im Durchschnitt immer älter werden, müssen die Unternehmen ihre Personalpolitik an den demografischen Wandel anpassen und sich die Ressource älterer Fachkräfte sichern. Doch damit tun sich viele Arbeitgeber nach wie vor schwer. Woran liegt das und wie sichert man sich mit bald 50 einen Job?

Die Politik hat die Gesetzesinitiative 50plus beschlossen. Dabei geht es um zwei Ziele: Zum einen müssen diejenigen über 50, die keine Arbeit haben, eine Chance bekommen, wieder in den Beruf zurückzukehren. Zum anderen müssen ältere Fachkräfte heute und in Zukunft länger im Erwerbsleben bleiben. Doch nach wie vor lassen es Arbeitgeber in Deutschland zu, dass geballtes Wissen und langjährige Erfahrung frühzeitig verrentet wird. Hierzulande sind nur ein Drittel der 55- bis 64-Jährigen berufstätig und die Zahl der Firmen, die aktuell keinen Mitarbeiter über 45 Jahre beschäftigt haben, ist hoch.

Zahlreiche Umfragen belegen, dass Unternehmen derzeit wenig tun, um erfahrene Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und einzusetzen. Als die größten Hindernisse bei der Einstellung älterer Mitarbeiter nennen Personalverantwortliche hohe Gehälter und starres Kündigungsrecht. An dritter Stelle wird die Tatsache genannt, dass ein jüngerer Mitarbeiter der Vorgesetzte wäre. Zudem wünschen sich die Unternehmen mehr Mobilität und Flexibilität seitens der Arbeitnehmer als Voraussetzung, um mehr ältere Mitarbeiter einzustellen.

Vorbehalte gegen ältere Arbeitnehmer

Sie sind fachlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit, unflexibel und kosten die Unternehmen mehr als ein jüngerer Kollege. Das sind die typischen Vorbehalte, die Personalentscheider gegen die Anstellung von älteren Fachkräften haben. In den technischen Berufen kommen Zweifel hinzu, ob Bewerber mit 45 plus körperlichen Anforderungen gewachsen sind. Häufig haben Personalabteilungen Vorbehalte in Hinblick auf fächerübergreifende Disziplinen wie Vertrieb, Einkauf oder Kenntnisse in Fremdsprachen.

Argumente gegen Vorurteile

Kommt der Arbeitgeber mit dem Argument, dass Ihr Wissen trotz langjähriger Berufserfahrung veraltet ist, sollten Sie ihm mit konkreten Beispielen belegen, dass Ihre Fachkenntnisse auf dem neuesten Stand sind. Sie verfolgen kontinuierlich aktuelle Entwicklungen in Ihrer Branche und können mit jüngeren Kollegen mithalten. Schließlich haben Sie regelmäßig an Schulungen oder Inhouse-Seminaren von Geschäftspartnern teilgenommen. Als Jobsuchender besuchen Sie Messen und Kongresse und lesen Fachpublikationen und Online-Magazine. Zudem beherrschen Sie die neuesten Tools am PC und haben eine Menge Ideen und Anregungen zu einem neuen Verfahren, das Ihr potenzieller künftiger Arbeitgeber gerade einführen will. Damit zeigen Sie als Bewerber Ihr Interesse am Unternehmen und Ihre Bereitschaft, Ihr Wissen einzubringen.

Bewerbungsfrust nicht zeigen

Auch wenn sich ältere Mitarbeiter im Unternehmen oft nicht ausreichend anerkannt und respektiert fühlen, bleiben die meisten aus wirtschaftlichen Gründen so lange in ihrem Job, bis sie ihr Berufsleben beenden können. Der Grund: Nach langjähriger Berufstätigkeit fällt es schwer, sich noch einmal zu bewerben und nach einer neuen Herausforderung zu suchen. Die Mitarbeiter haben sich in ihrer Rolle etabliert und können sich kaum dazu überwinden, sich nochmals zu "verkaufen". Noch schwerer haben es ältere Fachkräfte, die bereits ihre Stelle verloren haben. Sie müssen das Gefühl überwinden, nicht mehr gebraucht zu werden. So besteht der häufigste Fehler bei den Bewerbungen älterer Arbeitnehmer darin, dass dieser Frust deutlich in den Unterlagen spürbar wird und in Vorstellungsgesprächen ins Gesicht geschrieben ist.

Gehaltsfrage knifflig

Beim Jobwechsel ist die Gehaltsfrage für Arbeitnehmer mit 45 plus ein besonders sensibles Thema. Kann ich mit dem gleichen Gehaltsniveau rechnen oder soll ich meine Gehaltsansprüche herunterschrauben? Alter an sich begründet noch keinen Zuschlag. Werden mit einer Tätigkeit allerdings Budget- und Personalverantwortung ausdrücklich gefordert, kann das Einkommen auch mit dem Alter wachsen. Selbst wenn Sie bei Ihrem früheren Unternehmen auf der Gehaltsleiter schon relativ weit oben waren, sollten Sie sich bei Bewerbungen kritisch fragen, was Ihre bisherige berufliche Erfahrung dem neuen Arbeitgeber bringt. Bringen Sie handfeste Argumente in den Gehaltsverhandlungen zum Ausdruck. Für den neuen Job bringen Sie alte Kontakte mit. Ihre Prozess- und Verfahrenskenntnisse passen in den neuen Betrieb. Sie können mit vertrauten Methoden auch neue Aufgaben bewältigen. Damit sparen Sie Einarbeitungszeit und Personalkosten. Sollten Ihre Erfahrungen für die neue Stelle wenig nutzen, erhöhen Sie Ihre Job-Chancen, indem Sie beim Gehalt ein paar Abstriche in Kauf nehmen.

Ausführliche Tipps zu Gehaltsverhandlungen finden Sie im Kapitel Gehalt.

Stärken hervorheben

Zwar können Arbeitnehmer mit 50 plus mit der Leistungskraft ihrer jüngeren Kollegen tendenziell nicht mithalten. Diese Defizite gleichen sie mit ihrer Erfahrung und sozialer Kompetenz aus. Um im Bewerbungsprozess selbstbewusst aufzutreten, sollten Sie sich folgende Argumente vor Augen halten.

Langjährige Berufserfahrung und realistisches Einschätzungsvermögen

Es gibt keinen Fehler, den ein älterer Arbeitnehmer nicht bereits gemacht hat. Im Gegensatz zu einem 25-jährigen Kollegen sparen Sie dem Unternehmen also bares Geld für unnötige Mängel und Irrtümer.

Gelassenheit

Mit knapp 50 können Sie souverän mit anderen Menschen umgehen und regen sich nicht mehr so leicht auf wie mit Anfang 30. Als älterer Arbeitnehmer gehen Sie Projekte in der Regel ruhiger an. Wenn es mal nicht gut läuft, lassen Sie sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen und reagieren weniger stressanfällig. Sie müssen sich nichts mehr beweisen, arbeiten für die Sache und nicht für Ihre persönliche Karriere. Zudem sind Sie in der Lage, bei Bedarf vermittelnd oder durchsetzungsstark aufzutreten. Ihre Gelassenheit und Souveränität ist Ihr Trumpf.

Gefestigte Verhältnisse

In Ihrem Alter sind Sie in Ihrem privaten Umfeld gefestigt. Das mag dazu führen, dass Sie räumlich nicht mehr so flexibel sind, doch es hat auch einen Vorteil: Wenn man ein Haus abbezahlt, die Kinder vor Ort zur Schule gehen und man sich sein Leben ,eingerichtet' hat, dann reagiert man besonnener auf Probleme im Büro, fühlt sich im besten Sinne stärker an seinen Arbeitgeber gebunden und verhält sich entsprechend integer und loyal.

Alte Schule und Disziplin

Punkten Sie mit Attributen wie Disziplin und Diskretion. Eigenschaften, die gerade wieder modern werden, haben Sie in Ihrer Erziehung selbstverständlich genossen. So gelten ältere Mitarbeiter als zuverlässiger und pünktlicher als ihre jungen Kollegen und das sind sie meist auch.


Flexibilität

Auch wenn es älteren Arbeitnehmern oft nicht zugetraut wird: Sie sind nach wie vor lernfähig und aufnahmebereit, also geistig flexibel. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber nach Weiterbildungsmaßnahmen und halten Sie sich auch außerhalb Ihres Fachgebietes auf dem Laufenden. Tun Sie etwas für Ihr Wohlbefinden, denn "in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist".

Wenn Sie diese Argumente berücksichtigen, können Sie selbstbewusst und souverän in den Bewerbungsprozess einsteigen. Ihr Alter und die damit verbundenen bisherigen beruflichen Erfolge ist der große Pluspunkt Ihrer Bewerbung. Denn langfristig braucht die deutsche Wirtschaft Menschen mit langjähriger Berufserfahrung, Sachverstand und guter Menschenkenntnis.

© StepStone, 2009
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