Steht bei Ihnen ein Gehaltsgespräch mit dem Vorgesetzten an? Suchen Sie Ihren ersten Job und fürchten die berühmte Frage "Wie sind Ihre Gehaltsvorstellungen"? Oder planen Sie einen Jobwechsel und haben Angst, beim Gehalt Abstriche machen zu müssen? In unserem Interview mit dem Gehalts-Experten geben wir Ihnen Tipps, wie Sie richtig über Ihr Gehalt verhandeln.
User: Wann ist der beste Zeitpunkt, um den Chef auf eine Gehaltserhöhung anzusprechen?
Jens Hollmann: Sie sollten Ihren Chef schon Monate vorher auf die Einschätzung Ihrer Leistungen ansprechen. Ein Gehaltsgespräch ist kein Glücksspiel und sollte keine spontane Aktion, sondern strategisch geplant sein. Angenommen, Sie möchten im März 2008 eine Gehaltsverhandlung führen, dann heißt es, dass Sie sich im Januar und Februar von Ihrem Vorgesetzten bestätigen lassen müssen (in einem Feedback-Gespräch), was Sie für das Unternehmen oder die Abteilung geleistet haben. Auf diesem Feedback basierend können Sie im März dann Ihr Gehaltsgespräch sinnvoll und mit Erfolgsaussichten führen. Machen Sie deutlich: "Sie haben im Januar und Februar mehrfach betont, dass ich einen guten Job gemacht habe. Zudem haben Sie mir bestätigt, dass ich im Januar das Problem XY wirklich gut gelöst habe. Deswegen möchte ich heute mit Ihnen über meine weitere Entwicklung sprechen. Hierzu gehört sicherlich auch mein Gehalt. In einer solch gut aufgebauten Situation haben Sie gute Chancen auf eine Gehaltserhöhung.
User: Soll man erst dann nach mehr Gehalt fragen, wenn man erste Erfolge verbucht hat? Woran erkenne ich, dass ein Erfolg in meinen Augen auch ein Erfolg in den Augen des Chefs ist?
Jens Hollmann: Sie sollen das Gehaltsgespräch mit Ihren Leistungen in Verbindung bringen, weil Sie (hoffentlich) nicht für Anwesenheit bezahlt werden. Wie Ihr Chef Erfolg auffasst, erkennen Sie an den Rückmeldegesprächen. Das äußert sich nicht, indem Sie glauben, Sie hätten einen guten Job gemacht, sondern indem Ihr Vorgesetzter glaubt, Sie hätten einen guten Job gemacht. Hier muss manchmal das eigene Selbstbild mit dem Fremdbild korrigiert werden. Eine kontinuierliche Feedback-Kultur, um zu wissen, wo Sie stehen, ist auch unabhängig vom Gehaltsgespräch wichtig.
User: Wie vereinbare ich einen Termin zum Gehaltsgespräch? Mit welchem Wortlaut?
Jens Hollmann: Sie sollten in jedem Fall vermeiden, nach einem Gehaltsgespräch zu fragen. Zielführender ist es: "Ich möchte ein Gespräch über meine Leistung führen oder ich möchte ein Gespräch über Projekt XY haben, oder über eine strategische Ausrichtung fürs nächste Jahr sprechen.
User: Welcher Chef ist der richtige Ansprechpartner, wenn man mehrere Chefs hat?
Jens Hollmann: Auch in einer Matrixorganisation haben Sie zumeist einen Personal- und Fachverantwortlichen. Zumeist ist der Personalverantwortliche auch für Ihr Gehalt zuständig. Sollte das für Sie unklar sein, können Sie das in der Personalabteilung in Erfahrung bringen.
User: Wie kann ich erfahren, wie das Gehaltsgefüge im Unternehmen wirklich ist?
Jens Hollmann: Das können Sie zumeist nicht auf direktem Wege erfahren. Eine Möglichkeit ist, Ihr internes Netzwerk im Unternehmen zu nutzen.
User: Ich arbeite in einer Zeitarbeitsfirma und meine festangestellten Kollegen verdienen wesentlich mehr als ich und ich mache denselben Job. Wie gehe ich da am besten ran?
Jens Hollmann: Zuerst sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber (Zeitarbeitsfirma) suchen. Das Vorgehen ist selbstverständlich wie oben beschrieben bei jedem anderen Arbeitgeber. Darüber hinaus sollen Sie es auch in Erwägung ziehen, bei dem Unternehmen, in dem Sie gerade eingesetzt sind, sich nach Ihren Optionen für eine Festanstellung zu erkundigen. Dann haben Sie natürlich die besseren Chancen, das gleiche Gehalt zu bekommen, wie Ihre festangestellten Kollegen.
User: Wie kann ich mein Gehalt in einer Teilzeit-Funktion am besten verhandeln? Wird das Gehalt in einer Vollzeitbeschäftigung einfach auf die Stunden der Teilzeit heruntergebrochen?
Jens Hollmann: Im Idealfall ja, leider ist die Praxis oft nicht so. Das heißt, dass Teilzeitbeschäftigungen prozentual geringer bezahlt werden als Vollzeitbeschäftigungen.
© StepStone, 2009