Sie sind ein Leistungsträger im Unternehmen und haben viele Projekte erfolgreich umgesetzt. Seit Jahren haben Sie aber keine Gehaltserhöhung mehr bekommen und trauen sich nicht, mit Ihrem Chef zu sprechen. Das soll sich jetzt ändern. Unser Experte gibt Ihnen die wichtigsten Tipps, wie Sie beim Gehaltsgespräch richtig argumentieren und sich Ihr Wunschgehalt sichern.
User: Wie gehe ich mit den Einwänden des Chefs gegen eine Gehaltserhöhung um?
Jens Hollmann: Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen bezüglich der Leistungsbeurteilung zum gleichen oder ähnlichen Ergebnis kommen. Nur wenn darüber Einigkeit besteht, können die richtigen Argumente über ein höheres Gehalt im Dialog behandelt werden. Wenn das der Fall ist, können Sie Ihren Chef darauf aufmerksam machen, dass Sie trotz hoher Leistung aus Ihrer Sicht und im Branchenvergleich nicht leistungsgerecht bezahlt werden.
Tipps zur Gehaltsstrategie
User: Wenn mein Chef eine Gehaltserhöhung ablehnt mit der Begründung, dass beim nächsten Gespräch darüber geredet werden kann, weil momentan so viele Veränderungen bzw. Umstrukturierungen im Unternehmensbereich stattfinden, wie soll ich da am besten argumentieren? Vor allem, wenn die Erklärung des Chefs eine Ausrede ist.
Jens Hollmann: Bei einer Ablehnung können Sie Folgendes ins Feld führen: "Ich habe Verständnis, dass Sie jetzt keine Entscheidung fällen, bitte lassen sie uns für nächste Woche einen Termin machen." Da sollen Sie ausdauernd sein. Eine andere Gesprächsstrategie wäre zu sagen: "Herr Müller, wie Sie sicherlich wissen, wird meine Funktion im Branchenvergleich wesentlich besser bewertet und ich möchte mit Ihnen darüber sprechen, in welcher Form eine Gehaltsanpassung möglich ist." Sicherlich kann Ihr Chef die Gehaltserhöhung trotzdem verweigern. Dann können Sie ihm zu verstehen geben, dass Sie auch grundsätzlich über einen anderen Arbeitgeber nachdenken. Hierbei müssen Sie für sich selbst besser gestellt haben, dass dieser Schritt für Sie tatsächlich auch in Frage kommt.
User: Wie weit kann ich gehen?
Jens Hollmann: Machen Sie das davon abhängig, ob Sie in der Lage sind, sich auch einen neuen Job zu suchen. Wenn Sie bspw. schon ein neues Jobangebot haben und auch bereit sind, die Konsequenzen zu ziehen, können Sie eine Verhandlung nun aus der Stärke führen und nicht aus der Schwäche. Machen Sie Ihrem Chef klar, dass er Sie langfristig als Mitarbeiter zu diesem Gehalt halten kann.
User: Wie kann ich argumentieren, wenn die Frage nach einem höheren Gehalt, nachdem mein Gehalt das letzte Mal erhöht wurde, vom Vorgesetzten wie folgt beantwortet wird: "Sie verdienen schon mehr als die anderen Mitarbeiter in der Abteilung, erst mal müssen die angepasst werden."
Jens Hollmann: Hier können Sie entscheiden, ob Sie nach Ihrer individuellen Leistung oder nach einem wie auch immer gelagerten Durchschnittsgehalt bewertet werden möchten. Wenn Sie ein High-Potential oder ein Leistungsträger sind, sollten Sie sich überlegen, ob dieses Unternehmen für Sie das richtige ist. Sicherlich gibt es einen gewissen Grad an Gerechtigkeit, und das Unternehmen ist bestrebt, ein ausgewogenes Gehaltsniveau zu haben. Wenn Sie aber für das Unternehmen eine herausragende Leistung erbringen, wird Sie die Orientierung an einem Gehaltsdurchschnitt nicht zufriedenstellen dürfen. Zumeist ist es Ihrem Vorgesetzten auch klar.
User: Wie kann ich erfahren, wie das Gehaltsgefüge im Unternehmen wirklich ist?
Jens Hollmann: Das können Sie zumeist nicht auf direktem Wege erfahren. Eine Möglichkeit ist, Ihr internes Netzwerk im Unternehmen zu nutzen.
User: Ich bin 41 Jahre alt, habe ein VWA Studium absolviert und viel praktische Erfahrung in der Führung von Handelsfilialen. Jedoch habe ich nur einen Hauptschulabschluss absolviert. Derzeit schreibe ich einige Bewerbungen und mein Abschluss holt mich wieder ein. In wieweit wird dieser Umstand von Arbeitgebern heute noch als Nachteil angesehen, wo ich doch ohne Abitur ein BWL Studium absolviert und mich beruflich immer weiter entwickelt habe? Muss ich bei einem Gehaltsgespräch diesen Umstand berücksichtigen?
Jens Hollmann: Nein, Sie brauchen Ihren Hauptschulabschluss bei Gehaltsverhandlungen überhaupt nicht zu berücksichtigen. Es zählt nicht, was Sie vor 20 Jahren gemacht haben, sondern was Sie heute an beruflichen Erfolgen vorweisen können. Wen interessiert es, auf welcher Grundschule Sie waren. Lassen Sie den Hauptschulabschluss entweder weg oder geben Sie unter Berufsausbildung den Abschluss VWA und weiter die Tätigkeiten der letzten Jahre an. Ihr Hauptschulabschluss darf überhaupt keine Relevanz auf das Gehalt haben. Sie werden für Ihre heutige Leistung und nicht für Ihren Schulabschluss bezahlt.
© StepStone, 2008