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Gehalt beim Jobwechsel: Keine Abstriche machen

Sie planen einen Jobwechsel und haben Angst, beim Gehalt Abstriche machen zu müssen? In unserem Interview mit dem Gehalts-Experten geben wir Ihnen Tipps, wie Sie richtig über Ihr Gehalt verhandeln.

User: Gilt es wirklich als Sakrileg beim Jobwechsel, deutliche Abstriche vom bisherigen Gehalt zu machen, z. B. vom sehr gut bezahlten Konzernjob zum Job bei einem Mittelständler oder einfach auch dadurch, dass man Region und Branche wechselt?

Experte: Im Konzern bekommen Sie gegebenenfalls ein höheres Gehalt, aber nicht unbedingt die Möglichkeit, sich an diesem Unternehmen zu beteiligen. Sie können z.B. nicht innerhalb einer Bank sagen, dass Sie zwar mit weniger Gehalt zufrieden wären, dafür aber in fünf Jahren an dem Umsatz einer Filiale beteiligt sein möchten. Wenn Sie einen Job bei einem Mittelständler annehmen, sprechen dafür unterschiedliche Gründe. Eventuell sind Sie mit der Konzernpolitik und den Hierarchien nicht einverstanden oder Sie wollen bei einem Mittelständler arbeiten, weil Sie sich sehr konkret an diesem Unternehmen beteiligen möchten. Möglicherweise möchten Sie einen neuen Bereich aufbauen. Zusammenfassend bedeutet dies, dass Sie durch unterschiedlichste Gehaltsmodelle und Gehaltsbestandteile nicht grundsätzlich weniger verdienen würden als bei einem Konzern.

Zu Ihrer Regions- und Branchenfrage. Wenn Sie in eine Region mit niedrigeren Lebenshaltungskosten gehen, müssen Sie damit rechnen, Gehaltseinbußen entsprechend zu haben. Zu Ihrer Branchenfragen- ein Branchenwechsel hat natürlich Konsequenzen. Das können Sie aber in jeder Gehaltsstudie selbst ersehen, wie sich dies prozentual im Gehaltsgefüge auswirkt.

User: Wenn man bisher ein hohes Gehalt hatte und bei einem neuen Job bereits jetzt davon ausgehen kann, dass man das bisherige Gehalt nicht bekommen wird, wie geht man dann ein Gehaltsgespräch an?

Experte: Ich beobachte häufig folgende Phänomen in der Wirtschaft. Wenn Sie als Arbeitnehmer in den konjunkturell erfolgreichen Jahren eingestiegen sind und ein hohes Gehalt erzielt haben, können Sie für sich darauf keine Erwartungen für die veränderte Marktlagen ableiten. Ich möchte damit sagen: Gehälter sind nur eine Spiegelung der aktuellen Marktsituation und haben nicht unbedingt mit der individuellen Qualifikation zu tun. Angenommen, Sie verdienen überdurchschnittlich gut im Vergleich zu Ihren Kollegen, die in den konjunkturell weniger erfolgreichen Jahren mit 30 Prozent weniger Gehalt eingestiegen sind. Im Laufe der vergangenen Jahre haben sie stets ein Stück Vorsprung zu den Kollegen gehabt. Die Gehälter dieser Mitarbeiter haben sich entsprechend weiterentwickelt. Wenn Sie Ihren Job jetzt wechseln, dürfen keine großen Erwartung an Ihre Gehalt stellen. Denn kein Unternehmen wird Sie jetzt zu den guten Bedingungen von damals einstellen. Das hat im Übrigen dazu geführt, dass viele Mitarbeiter, die mit ihrem Job unzufrieden sind, nicht gewechselt haben, weil sie genau wussten, dass Sie bei einem Jobwechsel diesen Besitzstand nicht wahren würden. So sind viele in einem Job geblieben, der für sie nicht mehr attraktiv und interessant war.

In Ihrem Falle setzen Sie Ihren Gehaltswunsch besser nicht in Verhältnis zu Ihrem alten Gehalt. Sondern machen deutlich, dass Sie sich für den Job, die Aufgabe und das Unternehmen interessieren und nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellung und nennen Ihre Gehaltsvorstellung.

User: Liege ich richtig, wenn ich mein altes Gehalt nenne, dann aber darauf verweise, dass es sich dabei um eine Orientierung handelt und ich für alles offen bin? Oder sollte ich etwas forscher sein und meine Gehaltsvorstellung ein wenig nach oben korrigiert nennen? Nenne ich zu wenig, mache ich mich vielleicht kleiner als ich bin. Das liegt mir natürlich fern, denn ich möchte ja nicht nur einen neuen Job, sondern auch ein entsprechendes Gehalt, mit dem ich zufrieden bin.

Experte: Zum ersten Teil der Frage: Es ist nicht sinnvoll, in einem Gehaltsgespräch für alles offen sein. Sie müssen eine Vorstellung darüber haben, was Sie verdienen möchten. Was denken Sie, ist Ihre Arbeit wert. Schauen Sie, wie die Gehälter im Branchen- bzw. im regionalen Vergleich aussehen. Hierzu ein Beispiel: Sie sind vorher Leiter einer Abteilung innerhalb einer Versicherung gewesen. Nun haben Sie sich aber entschlossen, im Non-Profit Bereich Geschäftsführer zu werden. Dann müssen Sie sich im Klaren sein, dass Sie den Jobwechsel nicht ausschließlich des Gehalts wegen machen, sondern weil andere Dinge für Sie wichtig sind. Zur Arbeitszufriedenheit gehört mehr als ein angemessenes Gehalt.

User: Wenn ich nach zweieinhalb Jahren Berufserfahrung (im Marketing) einen Jobwechsel vornehmen möchte, wieviel kann man beim neuen Arbeitgeber als "Sprunggehalt" mehr verlangen? Kann man das pauschal in einem Prozentwert sagen?

Experte: Nein, dieser Prozentsatz ist nicht generalisierbar. Auch hierbei müssen Sie beachten, in welcher Entwicklungsphase Ihre Branche bzw. Industrie sich befindet. In Abhängigkeit von der Wachstums-, Stagnations- oder Abbauphase, kann sich das auf das Gehalt auswirken. Es nützt Ihnen ja nichts, wenn Sie einen Jobwechsel planen und es der Branche geht nicht gut. Dann können Sie auch zehn Jahre vorher da gewesen sein und bekommen bei einem Jobwechsel nicht mehr Gehalt, sondern weniger.

Zum zweiten Teil der Frage: Wenn Sie in eine Region mit niedrigeren Lebenshaltungskosten wechseln, dann stellt sich die Frage: Weniger oder mehr? Ist es ein Regions- oder Branchenwechsel? In welcher Phase ist die Branche? Nehmen wir mal an, es ist alles gleich geblieben. Sie bleiben in Hamburg, in der gleichen Branche und haben einen guten Job gemacht. Neben allen harten Fakten (Branchen-Situation, Region, allgemeine konjunkturelle Lage) sollten Sie wissen, wie Sie aus Ihrer Sicht ein Mehrwert für das neue Unternehmen sein können.

© StepStone, 2007

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