Telearbeit: Das müssen Sie beachten.
Telearbeit erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Zum einen wird die räumliche Flexibilität von Mitarbeitern immer erforderlicher, zum anderen wird diese durch moderne Kommunikationstechnologien problemlos möglich. So zählt Desk-Sharing und Heimarbeit bereits zum Standard in vielen Unternehmen. Vorteil: Flexibilität erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Telearbeit - Die Arbeitsformen der Informationsgesellschaft
Unter dem Begriff "Telearbeit" fasst man alle Tätigkeiten zusammen, die unterstützt durch Informations- und Kommunikationsnetze unabhängig vom Standort des Arbeit- oder Auftraggebers an einer "dezentralen Arbeitsstätte" durchgeführt werden. Am häufigsten sind die alternierende Telearbeit, also die abwechselnde Beschäftigung in Büro und am PC in den heimischen vier Wänden sowie die mobile Telearbeit unter Einsatz von Endgeräten wie Notebook und Handy durch Außendienstmitarbeiter oder Führungskräfte, die ständig erreichbar sein müssen.
Telearbeit ist also nicht mehr als eine Arbeitsform, mit der viele Arbeitsinhalte und Berufsbilder vereinbar sind. Gemeinsam haben die Varianten nur die weitgehende Nutzung der neuen Medien und die Lösung von einem betrieblichen Umfeld - und das Problem, durchlässiger werdende Grenzlinien zwischen Berufs- und Privatleben neu ziehen zu müssen.
Eine neue Welt für Beschäftigte und Unternehmen
An die Telearbeiter werden neue Anforderungen hinsichtlich ihrer Selbstmotivation und ihrer Zeitplanung gestellt, die Telearbeitsplätze einrichtenden Firmen müssen die Mitarbeiter genügend schulen und die Folgen für die gesamte Organisationsstruktur auch vor Ort bedenken. Schließlich müssen beide Seiten die notwendigen technischen Kommunikationsmittel erst erproben und die sich daraus eventuell ergebenden Verständigungsprobleme beherrschen lernen. Doch allmählich wird ein Bewusstsein und ein Rahmen dafür geschaffen, dass die meisten Arbeiten zukünftig nicht mehr zentral im Büro, sondern flexibel von zu Hause aus oder von unterwegs erledigt werden können.
Hat der "Betrieb" noch Zukunft?
Der Anteil an Telearbeitsplätzen in Deutschland steigt zwar stetig, ist aber noch viel niedriger als in Frankreich und Großbritannien, vor allem aber den USA. Telearbeit erscheint vielen Beschäftigten hierzulande als Abschaffung der Kollegialität und damit als Auflösung einer Solidarität der "Werktätigen". Und wie lange es dauert, den Chef zu der Einstellung "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" zu bewegen, hat wohl jeder schon einmal den Augen seines Vorgesetzten ablesen können...
Der Geldbeutel des Auftraggebers freut sich...
Unternehmen werden in Zukunft nur noch wenige treue Stammkräfte beschäftigen und daneben immer zeitweise - je nach Auslastung - externen Zulieferern und freien Mitarbeitern die Aufträge anvertrauen. Messegesellschaften und viele Call-Center verfahren bereits heute so. Die Vorteile für den Arbeitgeber sind nicht von der Hand zu weisen: Er spart vor allem Raummieten und Betriebskosten. Die finanziellen Zusatzleistungen für die Betriebsangehörigen fallen nicht mehr so ins Gewicht. Skeptiker befürchten aber besonders, dass auf diese Weise Arbeitnehmervertretungen, die für die Rechte der Beschäftigten einstehen, mundtot oder sogar überflüssig gemacht werden.
... auch das Großhirn des Auftragnehmers?
Die neue Mobilität der Arbeit hat viele Aspekte. Räumliche, weil der Telearbeiter seinen Wohnort unabhängig vom Unternehmensstandort wählen und den Laptop als sein "virtuelles Büro" stets mit sich führen kann. Zeitliche, weil er den Arbeitsplatz jederzeit einsatzbereit machen kann, indem er den "Schlüssel" stets bei sich trägt. Aber auch biographische, weil Qualifikationen flexibler eingesetzt und Erfahrungen vielfältiger angesammelt werden. Ein Lerneffekt fürs Leben ist die Folge.
Typen der Telearbeit
Ob "selbstständig" oder "angestellt", ist bei Telearbeitern nur ein Unterscheidungskriterium, und wahrscheinlich nicht das wichtigste. Umfeld, Umfang und Niveau der externen Arbeit müssen viel eher herangezogen werden, um einen Überblick über die konkreten Erscheinungsformen zu gewinnen.
Telearbeit zu Hause
Das "häusliche Büro" ist das Bild, welches man als erstes im Kopf hat, wenn man an das Arbeitsumfeld der Telearbeit denkt. Der einzelne Arbeitnehmer nutzt in den eigenen Wohnräumen einen PC, der mit dem Computernetzwerk des Arbeitgebers verbunden ist. Für Mütter oder Väter mit kleinen Kindern ist diese Arbeitsform eine zu erwägende Alternative zur Teilzeitarbeit. Nachteilig ist die Verquickung des Privat- mit dem Berufsleben.
Büroarbeit trifft Telearbeit
Oft gibt es bei diesem "häuslichen" Modell noch einen zweiten Arbeitsplatz im herkömmlichen Büro. Halten sich beide Formen in etwa die Waage, spricht man von alternierenden oder substantiellen Telearbeitern. Marginal wird Telearbeit dann genannt, wenn sie zwar von Zeit zu Zeit verrichtet wird, der Umfang für die Entwicklung einer echten Routine aber nicht ausreicht. Das Firmenbüro bleibt der Fixstern, um den sich das Universum des Arbeitnehmers dreht.
Telearbeit in der "Kommunikationsfabrik"
Gar nichts mit der Vorstellung von Telearbeit als "vereinzelnder" Heimarbeit haben Satellitenbüros, Telezentren und Nachbarschaftsbüros zu tun. Sie nähern sich im Gegenteil wieder dem Betrieb an, sind zum Teil sogar als öffentlich geförderte Einrichtungen speziell in strukturschwachen Regionen aufgebaut worden (Telehaus Wetter in Hessen oder das Telecenter Hersbruck in Bayern).
Satellitenbüros sind ausgegliederte Zweigstellenbüros eines Unternehmens, die nur durch Internet und Telekommunikationsverbindungen mit dem Hauptfirmensitz korrespondieren. Solch ein Büro kann auch von mehreren Firmen gemeinsam genutzt werden. Zum Beispiel Call-Center können auf diese Weise regional oder sogar global gestreut werden, mit vielen Einsparmöglichkeiten bei Telefon-, Raum-, Personal- und Verwaltungskosten.
Telezentren, bislang zumeist in Nordwest-Europa als Telecottages verbreitet, sind dagegen nicht firmeneigen, sondern werden von der öffentlichen Hand oder privaten Dienstleistern angeboten. Outsourcing ist also die Devise. Nachbarschaftshäuser sind kollektiv betriebene Büros in der näheren Umgebung der beteiligten Firmen oder Kleinunternehmer.
Von der Briefkasten- zur E-Mail-Eingangskorb-Firma
Die radikalste Form der ausgelagerten Arbeitsorganisation ist das Virtuelle Büro. Es gibt gar keine richtigen Firmenräume mehr, sondern nur noch den virtuellen Kommunikationsraum, über den miteinander gearbeitet wird. Die Arbeiten erfordern häufig hohe Qualifikationen.
Telearbeit "on the road"
Aber Telearbeit geht häufig bis auf die Straße. Denn "Mobile Telearbeit" auf Notebooks, von Außendienstlern, Handelsvertretern und Journalisten ausgeübt, kann durchaus zu dieser Arbeitsform gezählt werden. Auch Manager in Funktionen, die ein häufiges Reisen nötig machen, gehören zu diesen "Job-Nomaden". Ob im Flugzeug, im Hotel, im Restaurant, im Park: sie sind immer erreichbar und arbeitsbereit.
Vom Ideal in die Praxis
Die "schöne neue Telewelt", ist noch nicht über uns hereingebrochen. Vorerst müssen Arbeitnehmer, für die ein Telearbeitsmodell (als Heimarbeit) attraktiv ist (also vor allem Mütter) erst Überzeugungsarbeit gegenüber ihren Vorgesetzten leisten. Vor allem sollte man sich keinen Illusionen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Kindererziehung und Berufstätigkeit dank Telearbeit hingeben. Telearbeit ist echte Arbeit, die nicht mit halber Kraft erledigt werden kann. Über die bloße Anwesenheit hinaus sollten Abmachungen mit Nachbarn und Freunden getroffen werden, die im Falle unkalkulierbarer Ereignisse bei der Kinderbetreuung helfen.
Besonders hohe Anforderungen werden an das persönliche Zeitmanagement gestellt. "Regelmäßigkeit" mit dem richtigen "Maß" zu verbinden, ist für viele nicht einfach, die bislang nur den Anwesenheitsdruck in einem Betrieb und die soziale Kontrolle durch Kollegen kannten. Techniken der Selbstbeherrschung müssen eingeübt werden, um die Unterbrechungen und Störungen in der häuslichen Umgebung schnell zu bewältigen oder auch erst einmal zur Seite zu schieben, zumal eine Überprüfung durch die Unternehmen oft mittels einer Berechnung der Arbeitsleistung innerhalb von login/logoff-Zeiten stattfindet. Die Arbeitstechniken sollten deshalb auch ziel- und ergebnisorientiert sein. Die abendliche Frage "Wie viel habe ich heute eigentlich geschafft?" sollten Telearbeiter im besonderen Maße beherzigen.
"Freie Zeiteinteilung" klingt gut, birgt aber Gefahren. Die Telearbeitnehmer werden bald erfahren, dass ein bestimmter, immergleicher Rhythmus zwischen Arbeitsabläufen und Privatleben trotzdem am effizientesten und angenehmsten ist. Die Motivation, sich an den Rechner zu setzen und der Berufstätigkeit zu widmen, ist größer, wenn man sich selbst für bestimmte Zeitpunkte und Uhrzeiten einen gewissen inneren Zwang auferlegt.
Arbeitswut und Privatleben
Die entgegengesetzte Gefahr ist die der Selbstausbeutung. Die ständige anonyme Leistungskontrolle im Hinterkopf, kann manch einer schon paranoide Anwandlungen bekommen und zu viel arbeiten. Die Freizeit wird durch den als ewige Mahnung immer sichtbaren Computer aufgesogen. Um solchen psychologischen Mechanismen zu begegnen, sind die häuslichen Arbeitszeiten und Kriterien der Arbeitsleistung schon im Vorfeld mit dem Arbeitgeber klar zu definieren.
Tipp: Die enge Betriebsbindung
Einen weiteren ganz wichtigen Motivationsschub kann die Einbindung in den Betrieb bringen. Ein Modell alternierender Telearbeit ist zu empfehlen, da der Kontakt zu Kollegen dann nicht abbricht. Die Chefs vergessen Arbeitnehmer leicht, wenn diese sich nicht "zeigen". Reine Telearbeiter werden notorisch bei Personalplanungen und Beförderungen übergangen. Die enge Betriebsbindung ist auch günstig, weil sie den Arbeitnehmerstatus sichert. Es sollte darauf geachtet werden, dass Betriebsstandards des Arbeits- und Gesundheitsschutzes auch für den Heimarbeitsplatz gelten. Der Betriebsrat hilft in solchen Fragen weiter.
Vorbereitung von Unternehmen und Mitarbeitern
Technisches Verständnis der zukünftigen Telearbeiter ist wichtig. Dadurch, dass bei PC-Schwierigkeiten im Büro der Support meist nicht fern ist, überschätzen viele Beschäftigte ihren Kenntnisstand. Schulungsprogramme vor dem Start der Telearbeit vermitteln technisches Basiswissen und frischen altes Wissen wieder auf. Für die Unternehmen amortisieren sich die Kosten der Qualifizierungsmaßnahmen bald, da diese erst eine effiziente Ausnutzung von Endgeräten und Software ermöglichen.
Noch entscheidender ist wahrscheinlich die Vorbereitung auf den Wandel im arbeitspsychologischen und sozialen Bereich, denn der Telearbeiter muss sich darauf einstellen, dass er viel seltener persönliche Kontakte zu Kollegen hat. Umso wichtiger ist ein ablenkungsfreies und schönes Arbeitsumfeld für seine Motivation.
Nicht vergessen werden sollte, dass die Einführung von Telearbeitsplätzen das gesamte Unternehmen mit seinen organisatorischen Abläufen betrifft, dass also die am Büroarbeitsplatz verbleibenden Mitarbeiter ebenso zu schulen sind.
Mittlerweile gibt es auch genügend Möglichkeiten, Schulungsmaterial anzufordern. Die verschiedenen Organisationen, wie die TA Telearbeit - Gesellschaft für innovative Arbeits-, Organisations- und Geschäftsformen mbH bieten zumeist auch Ressourcen im Internet an.
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