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Frauen in Führungspositionen: Woran es Bewerberinnen mangelt

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Frauen in Leitungspositionen sind in Deutschland nach wie vor Mangelware. Trotz Emanzipation, Streben nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit hat sich daran leider nicht viel geändert. Haben Frauen einfach keine Führungsqualitäten? Oder ist speziell die deutsche Wirtschaft und gesellschaftliche Organisation für die männliche Dominanz in den Führungsetagen verantwortlich zu machen? Ein Gespräch mit Pia Palmu, Leiterin Personalmarketing bei IKEA.

Frau Palmu, wie haben Sie Ihre derzeitige Position erreicht?
Mein Werdegang ist sicher nicht typisch, zeigt aber, wie man "abseits der üblichen Wege" weiter kommen kann, wenn man den Willen dazu hat. Gestartet habe ich als gewerbliche Mitarbeiterin in einem Produktionsbetrieb. Nebenher habe ich mich abends für Bürotätigkeiten weiterqualifiziert und mein Abitur am Abendgymnasium nachgeholt. Dann bin ich über verschiedene Stationen in der Verwaltung über technische Abteilungen ins Personalwesen gekommen. Von der Personalsachbearbeitung bin ich zur Personalreferentin aufgestiegen und habe abends meinen Personalfachkaufmann gemacht. Als sich "Recruitment und Personalmarketing" in den Personalbereichen etablierte, war ich gleich interessiert und habe das zum Schwerpunkt meiner Arbeit gemacht. Nach einem Jahr Aufbau wurde ich hier Abteilungsleiterin.
Nach verschiedenen Unternehmen bin ich heute Leiterin Personalmarketing bei IKEA Deutschland. Ich habe ein Team von zwei Mitarbeitern, mit denen ich das gesamte Spektrum von Imageanzeigen bis Internetauftritt, Messen und Kampagnen abdecke: Also alles was wichtig ist, um den Arbeitgeber zu vermarkten.

Glauben Sie, dass Sie als Frau für Ihren Job besser qualifiziert sind als ein Mann dies wäre?

Ich persönlich mag dieses schwarz-weiß Sehen hierbei nicht. Ich erlebe Frauen oft als "ganzheitlich", menschenorientiert und kreativ, was sie sicher gut für diesen Job qualifiziert.

Bewerben Frauen sich anders als Männer? Gibt es "typische Fehler", die Frauen in ihrer Bewerbung machen?
Häufig passieren die Fehler schon im Vorfeld der Bewerbung. Frauen trauen sich oft erst gar nicht zu, für eine "höhere Position" qualifiziert zu sein und stecken im Gegensatz zu Männern zurück. Meistens stellen sie wesentlich weniger bzw. geringere Forderungen an ihre Vergütung oder Position. Sie sind einfach zu bescheiden und problemorientiert - und nehmen somit ihre Chancen nicht wahr.

Was halten Sie von der oft wiederholten Aussage, dass Personaler lieber einen Mann einstellen, weil der nicht schwanger wird und somit nicht im Beruf ausfällt?
Dieses Problem sehe ich so kaum bzw. nicht mehr. Das Thema ist aus meiner Sicht sehr vielschichtig. Frauen müssen häufig in ihren Einstiegspositionen verharren, weil sie aufgrund der Familienplanung nicht die Chance haben, das mit einem Aufstieg zu vereinbaren. Die Führungspositionen von heute sind immer noch ganz auf Männer zugeschnitten, die ein komplettes Haushalts- und Familienmanagement durch ihre Frauen erhalten. Das ist nicht mehr zeitgemäß, führt aber dazu, dass Frauen nicht in Führungspositionen einsteigen können, da sie sonst ihr Familienleben nicht organisiert bekommen.

Gibt es Berufsfelder, in denen es Frauen leichter - oder aufgrund von Vorbehalten schwerer - haben?
Diese typischen Vorbehalte habe ich in meinem beruflichen Umfeld nicht erlebt. Was sicher auch daran liegt, dass ich im wesentlichen in skandinavischen Unternehmen gearbeitet habe, in denen Frauen gleichgestellt behandelt werden. Es war im Gegenteil häufig so, dass wir gerne Frauen eingestellt hätten, diese aber in den technischen und anderen eher von Männern dominierten Berufen selten zu finden waren.

Haben Sie in Ihrem Berufsleben festgestellt, dass Frauen über besondere Stärken oder Schwächen verfügen?
Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen - Frauen sind meistens nicht so durchschaubar und geradlinig. Sie fädeln Dinge oft "hintenherum" ein, was nicht so positiv angesehen wird. Hier könnten sie meiner Meinung nach strategischer vorgehen und lieber klar und strukturiert arbeiten.

Man sagt, dass Frauen ihr Licht oft "unter den Scheffel" stellen. Sehen Sie das auch so?
Absolut!

Wie können Frauen daran arbeiten?
Einfach mutig sein ist das Erste. Hilfreich ist es auch, sich Jemanden zu suchen, der "es gut macht" und diesen als Mentor zu nutzen.

Stimmt es, dass Männer persönliche Netzwerke besser für Ihre beruflichen Ziele nutzen als Frauen dies tun?
Grundsätzlich glaube ich, dass Deutschland nicht gut in Networking ist. In einigen anderen Ländern wird es ganz selbstverständlich gelebt. Im Grunde genommen glaube ich, dass Frauen die besseren Networker wären, da sie viel empathischer und sensibler sind. Aber sie tun es nicht. Stattdessen herrscht häufig ein Klima von Misstrauen, Neid und Konkurrenzdenken unter den Frauen ... Männer machen es einfach!

Haben Sie spezielle Tipps für Frauen, die sich im Beruf besser verwirklichen möchten?
Zunächst mal sollten sie eine klare Zielsetzung für ihren beruflichen Weg haben, die nicht zu bescheiden sein sollte. Nur wirklich herausfordernde Ziele wirken motivierend und anziehend.

Haben Sie das Gefühl, dass Frauen mehr leisten müssen als Männer, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen oder um leitende Positionen zu bekommen und zu halten?
Ja und nein. Frauen stecken sehr viel Energie in die Bewältigung ihres Alltages. Sie versuchen ihre beruflichen Ziele, das Familienleben und den Haushalt parallel zu meistern. Meiner Meinung nach müssen sie auch "nein" sagen lernen, Aufgaben delegieren und sich nicht für alles verantwortlich fühlen.

Bietet Ikea besondere Programme oder Maßnahmen zur Frauenförderung an bzw. unterstützen Sie MitarbeiterInnen darin, Beruf und Kinder besser unter einen Hut zu bringen?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland gibt es leider viele gesetzliche Hürden, die uns entsprechende Maßnahmen unmöglich machen. Wir bieten jedoch eine Vielzahl von Teilzeitstellen an, die natürlich von den Frauen gerne in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Einzelaktionen in den Einrichtungshäusern wie Jobsharing oder eigenständige Arbeitszeitplanung, um Zeit für die Familie zu finden usw.

Stehen Frauen im Berufsleben in Deutschland anders da als Frauen in Skandinavien?
Auf jeden Fall! Ich bin Finnin und kenne die berufliche Situation von Frauen in meiner Heimat komplett anders. In Finnland hat jede Frau einen Anspruch auf einen Kinderhort- und später Kindergartenplatz - von Anfang an. Kinder werden dort auf Wunsch ganztägig betreut und somit ist es für jede Frau möglich, berufstätig zu sein. Das ist jedoch nur die gesetzliche Basis. In der Gesellschaft ist es nicht nur akzeptiert, sondern üblich, als Frau beschäftigt zu sein. Frauen, die "nur" zu Hause sind, werden oft erstaunt angesehen. Gerade aufgrund dieser Tatsache gibt es in Finnland auch viel mehr weibliche Führungskräfte, da viele der o.g. Vorbehalte nicht existieren... Und die Pisa-Studie belegt, dass die Kinder dort hervorragende schulische Leistungen erbringen!

Vielen Dank für das Gespräch.

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