Patchwork-Karriere als Zukunftsweg
Wer kann heute noch darauf bauen, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben oder eine langjährige Zugehörigkeit im Unternehmen zu erreichen? Tipps für die erfolgreiche Patchwork-Karriere.
Eine große Anzahl der Berufstätigen sieht sich am Anfang, in der Mitte oder am Ende ihres Arbeitslebens mit einer neuen Situation konfrontiert: Hochschulabsolventen, die sich von Praktikum zu Praktikum hangeln, Fach- und Führungskräfte, die mit 40 als zu alt gelten. Die Notwendigkeit der längeren Lebensarbeitszeit ebenso wie der Abbau von festen Stellen für Fach- und Führungskräfte und ein schwieriger Arbeitsmarkt führen zu einem verändertem Berufsleben und fordern neue Formen der Selbstvermarktung. Das führt aber auch dazu, dass die idealtypische, gradlinige Karriere kaum noch vorkommt und das Arbeitsleben sich aus unterschiedlichen Stationen zusammensetzt. Aus der mehr oder weniger freiwilligen Patchwork-Biographie gilt es, den persönlichen Karriereweg mit Zukunft zu finden und zu gestalten: Eine Patchwork-Karriere, die sich ergibt aus den Phasen der Beschäftigung und den Wechseln als Angestellter, Selbständiger, der Nicht-Beschäftigung (Arbeitslosigkeit, Sabbatical, Weiterbildung), den Berufs-, Branchen- und Funktionssprüngen.
Unternehmer in eigener Sache
Die bisherigen Lebens- und Arbeitsformen unterliegen dem Wandel. Der klassische Lebenslauf im Dreiphasenmodell Ausbildung - Erwerbsleben - Ruhestand ist kaum noch planbar. Erwartet wird eine Loyalität auf Zeit, und variable Arbeitsformen sind auf dem Vormarsch. Unternehmen sorgen nicht mehr langfristig für den Mitarbeiter; der Staat zieht sich zurück, das Individuum muss für sich selbst Verantwortung übernehmen und seine Employability, die Attraktivität für den Arbeitsmarkt, aufrechterhalten.
Der Einzelne muss seine Lebens- und Berufsplanung selbst in die Hand nehmen, es kommt zu komplexeren Karrierewegen, die stark beeinflusst sind durch neue Medien, Globalisierung, veränderte Werte. Der Beruf wird zum Job, somit ist die eigene Initiative gefragt; es heißt selbst Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst zu sorgen und die Chancen in der veränderten Arbeitswelt zu nutzen.
Hat man nun einen Lebenslauf, der sich aus unterschiedlichen Elementen zusammensetzt, seien es verschiedene Funktionen, Berufe, Firmen, Arbeitsformen etc., gilt es, diese geschickt zusammenzusetzen. Denn es kommt darauf an, die Entscheidungsträger von seinem persönlichen Berufsmosaik zu überzeugen. Dafür ist es entscheidend, den roten Faden herauszuarbeiten, der sich durch die persönliche Entwicklung hindurch zieht. Welche Erfahrungen wurden systematisch auf- und ausgebaut, wo liegen die Stärken und Fähigkeiten, die in den unterschiedlichen Einsatzfeldern zum Tragen kamen. Wofür steht der Bewerber, wie würden ihn im beruflichen Umfeld die anderen kurz und knackig charakterisieren.
Wichtig ist es, auf den Punkt zu bringen, was man kann, welche Erfolge man bisher erzielt hat und wo der eigene Beitrag in einem neuen Umfeld liegen kann. Denn man selbst muss dem Gegenüber, z.B. dem Personalleiter, klar machen, dass man der beste Kandidat für diese Position oder den Auftrag ist. Das gelingt in der Regel demjenigen am besten, der die eigenen Fähigkeit kennt - nur wer von sich selbst überzeugt ist, kann auch andere überzeugen.
In dieser veränderten Arbeitswelt muss jeder selbst seine persönlichen Ziele und seine beruflichen Erfolgskriterien definieren und verfolgen. Dazu gehört die Erarbeitung und Vermarktung des eigenen Profils. Entscheider mit traditioneller Sichtweise sind oft überfordert bei der Konfrontation mit einem Mosaik von Ausbildung, Arbeitsphasen, Karrieresprüngen, Selbständigkeit, Interim Management, Weiterbildung, Auszeiten, Funktions-, Branchen-, Firmen- und Berufswechsel. Da ist es unumgänglich, selbst einen roten Faden zu kommunizieren und so den Schlüssel zur eigenen Patchwork-Karriere anzubieten und darzulegen, welche Ergänzung und Bereicherung man für den potentiellen Arbeit- oder Auftraggeber darstellt.
Darüber hinaus gilt es, Veränderungen und Brüche im Lebenslauf zu erklären und zu verarbeiten. Die Gratwanderung zwischen Freiheit und Zwang für Selbständige ist bekannt und wird Thema für weite Kreise der Beschäftigten: die permanente Herausforderung, sich im Job zu bewähren, Projekte zu akquirieren, sich zu profilieren, Netzwerke zu pflegen, ebenso aber auch freie Zeiten beispielsweise mit Weiterbildung oder ehrenamtlichem Engagement auszufüllen. Die ständigen Veränderungen erfordern eine veränderte Lebens- und Finanzplanung. Wie sichert man sich ab, überbrückt Zeiten ohne Einkommen, minimiert Risiken und trifft Vorsorge für das Alter.
Für sich selbst sorgen
Neben den materiellen Aspekten gilt es auch, das eigene Gleichgewicht im Auge zu behalten. Hohe Anforderungen im Arbeitsumfeld, Unsicherheit über den Arbeitsplatz oder die künftige Entwicklung stellen permanente Stressfaktoren dar. Arbeit und Freizeit sind oft nicht mehr trennbar, permanente Erreichbarkeit durch die neuen Medien, virtuelle Teams, wechselnde Einsatzorte, überlappende Projekte, hoher Leistungsdruck und dabei Professionalität und Ethik zu wahren - von allen Seiten kommen Forderungen an den Einzelnen. Das führt zu Belastung und Stress, und es wird überlebenswichtig, ab und zu inne zu halten, Grenzen zu ziehen und sich Auszeiten zu nehmen für die eigene Regeneration - Work-Life-Balance ist eines der Stichworte. Die permanente Mobilität birgt die Gefahr der Entwurzelung, es stellen sich Fragen nach "Zeit oder Geld", "Lust oder Frust durch Arbeit". Letztendlich bedeutet es, sich immer wieder selbst zu motivieren, in einem unsicheren Umfeld ist persönliche Stärke notwendig.
Gerade von hoch qualifizierten und spezialisierten Arbeitskräften werden Kreativität, Flexibilität, aber auch Anpassungsfähigkeit gefordert. Um in diesem aggressiven Markt zu überleben, sind veränderte Fähigkeiten physischer und psychischer Art gefragt. Nur wer sich aktiv und realistisch mit seinen Chancen und Risiken auseinandersetzt, die sich in der Gegenwart abzeichnen und in Zukunft in ganz neue Dimensionen weisen, wird sich eine Perspektive für die eigene Gestaltung des Berufs- und Lebenswegs schaffen.
Mut und Ausdauer behalten
Wer eine Patchwork-Karriere verfolgt, ist bereits heute Vorreiter einer neuen Arbeitswelt und braucht Mut, Überzeugungskraft, Erfolg und ein gutes Netzwerk. Eines haben Menschen mit einem Patchwork-Lebenslauf gemeinsam: Es sind interessante Persönlichkeiten, die an Brüchen, Wechseln, Sprüngen und manchmal auch vermeintlichen Rückschritten gereift sind, oft gegen den Strom schwimmen und aktiv ihre Zukunft in die Hand nehmen.
Dr. Vera Bloemer, Dipl. Volkswirtin, begann ihre Karriere bei McKinsey & Company und hat sich nach langjähriger erfolgreicher Führungstätigkeit in der Treuhandanstalt und der Deutschen Bank als Beraterin (Consulting, Coaching, Interim Management) selbstständig gemacht.
Literaturhinweis:
Bloemer, Vera: Patchwork-Karriere. Mit Vielseitigkeit und Strategie zum Berufserfolg. Metropolitan im Walhalla Fachverlag, Berlin/Regensburg, 978-3-8029-3255-7, EUR 19,90