Der geschickte Weg zum neuen Job
Stefan S. wollte nach seinem Studium ins PR-Fach einsteigen und versuchte es mit einer Initiativbewerbung. Erfahren Sie anhand seines Beispiels, wie Sie diese aufbauen und sinnvoll strukturieren.
In Stefan S. Fall bestand die Initiativbewerbung aus einer Abfolge von persönlichen Bildern, angefangen bei seiner Kindheit bis in die Gegenwart. Er würzte das Ganze mit knackigen Infos zu seiner Persönlichkeit und seinen Kompetenzen - zugeschnitten auf die jeweilige Firma. Zehn Bewerbungen sendete er ab - sieben Einladungen zum Vorstellungsgespräch waren der Mühe Lohn. Fünf davon zogen konkrete Stellenangebote nach sich, was ihn in die luxuriöse Lage versetzte, das für ihn vielversprechendste auszusuchen. Haben auch Sie sich im Vorfeld ihrer Bewerbungen über die Wunschunternehmen gut informiert und Ihre Unterlagen auf diese zugeschnitten? Strategisches Handeln überzeugt! Und unabdingbare Voraussetzung: Eine Initiativbewerbung ist kein langweiliges Massenrundschreiben!
Strategisch planen
Was nach Ausnahmen oder glücklichen Einzelfällen klingt, ist gar nicht so selten. Oft sind Jobsuchende über die Tatsache verwundert, dass eine Initiativbewerbung ein hervorragender Weg zur Wunschstelle ist. Karriere-Papst Jürgen Hesse weiß aus langjähriger Berufserfahrung und seinen Gesprächen mit Personalern, dass 15-20 Prozent aller Arbeitsplätze über eine Initiativbewerbung besetzt werden. Oder besser gesagt: Die aktiven Bewerber erobern die Jobs. Denn, und das ist das A und O bei einer Initiativbewerbung, man sollte strategisch an die Sache herangehen. Und wie für das Militär, so ist auch für den Initiativbewerber ein "Schlachtplan" die Grundlage zum Erfolg. Personalchefs sind meist angetan von solchen Bewerbungen. Die Gründe sind einleuchtend: Wen suchen sie? Welche Soft skills erwarten sie alle? Natürlich den dynamischen, flexiblen selbstständig agierenden Mitarbeiter. Die Personalverantwortlichen deuten die "Bewerbungen auf eigene Faust" als Zeichen einer stark ausgeprägten Motivation. Hinzu kommen ein besonders zielorientiertes, aktiv-dynamisches sowie erfolgsorientiertes Vorgehen. Klar, dass solche Kandidaten bevorzugt werden - zumal, wenn es die Firmensituation erlaubt. Zudem verschwindet der Stellensuchende nicht unter Hunderten von Konkurrenten, die sich auf eine normale Stellenanzeige bewerben. Die Chance der Einzigartigkeit, mit einem Alleinauftritt zu punkten, liegt auf der Hand.
Eigene Stärken kennen und nutzen
Ein Unternehmen möchte schlicht und ergreifend wissen, weshalb es einen Mitarbeiter für Zehntausende Euro Jahresgehalt einstellen soll. Bewerber müssen lernen sich zu verkaufen. Was kann er der Wunschfirma bieten, dass diese gar nicht anders kann, als ihn einzustellen? Das Wissen um die eigenen Stärken und auch Schwächen ist für das Selbstmarketing der Schlüssel zum Erfolg. Es kommt dabei auf drei zentrale Fragen an:
- Was kann ich besonders gut, was leiste ich am Besten?
- Wo möchte ich meine Fähigkeiten einsetzen?
- Wie finde ich die entsprechende Arbeit?
Wichtig ist, diese Fragen vor einer Bewerbung klar zu beantworten. Besonders als Initiativbewerber muss die eigene Verkaufsbotschaft schnell für den Personaler erkennbar sein. Er wartet ja nicht auf ihre Bewerbung, deshalb ist die Betonung der Kompetenzen so wichtig. Ein Blick auf klassische Berufe wie jene des Anwalts oder des Arztes verdeutlichen, worum es geht. Den "Feld-Wald-und-Wiesen-Jurist" bzw. Arzt gibt es kaum noch. Ein Rechtsanwalt der mal eine Verkehrssache, dann wieder einen Scheidungsfall und beim nächsten Mal einen Straftäter verteidigt, hat wenig Überzeugungskraft beim Kampf um Mandanten. Er scheint von allem etwas zu können, aber nichts wirklich richtig. Die Spezialisierung nimmt auch in diesen Branchen stark zu. Als Mandant oder Patient fasst man auch leichter Vertrauen zu einem Spezialisten, der sich auf ein Sachgebiet konzentriert und dies nach außen auch so kommuniziert. Das Gleiche gilt auch für jeden Bewerber. Seine Spezialitäten müssen im wahrsten Sinne des Wortes "hervorragen".
Konzentration ist die halbe Miete
Ob im Vorfeld von Bewerbungen, im Vorstellungsgespräch oder im Job selbst - oft leiden Kandidaten unter dem "Verzettelungs-Syndrom". Die Ursache ist meist mangelnde Konzentration. Konzentration lässt sich aber üben. Der Arbeitsforscher Wolfgang Mewes hat es auf die griffige Formel der "Engpass-Konzentrations-Strategie" gebracht. Für Initiativbewerber heißt dies, dass der Erfolg in einer klaren, eindeutigen Spezialisierung liegt.
Nur durch die bewusste Ausrichtung auf ein berufliches Ziel lassen sich etliche Hindernisse aus dem Weg räumen. Bewerber bzw. Mitarbeiter sollten sich in den Zeiten permanenter Umbrüche in der Arbeitswelt als Unternehmer verstehen. Bei der schwierigen Suche nach dem passenden Job geht es in Wirklichkeit um ein gezieltes Marketing der eigenen Dienstleistungen, also der Kompetenzen und Talente. Die Firmen agieren nach den Gesetzen des Marketings und reagieren bei einer guten Marketing- und Verkaufsstrategie eines Bewerbers interessiert. "Bewerber sollten ihre volle Konzentration aller zur Verfügung stehenden Kräfte auf die Lösung eines Problems setzen", kommentiert Hesse. Eine Regel, die sowohl für die Phase der Bewerbung, als auch für das ganze Arbeitsleben gilt. Auf einen Nenner gebracht: Konzentration ist besser als Verzettelung.
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Steffen Westermann
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Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader GmbH