Wenn Sie als Bewerber die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten, dann haben Sie bereits eine große Hürde genommen, denn nur rund 10% aller Bewerber schaffen es überhaupt bis zu diesem Punkt. Nun heißt es, nicht locker zu lassen in den Bemühungen um den Job und sich gewissenhaft auf das Gespräch vor zu bereiten.
Gute Vorbereitung ist übrigens ebenso für Berufseinsteiger wie für Professionals mit langjähriger Erfahrung wichtig. Immer wieder stellen Unternehmen fest, dass gerade erfahrene Kräfte meinen, sie könnten im Jobinterview unvorbereitet glänzen, nach dem Motto "Ich habe ja genug Berufserfahrung, um alle Fragen beantworten zu können". Doch im Vorstellungsgespräch zählt noch mehr, neben der Qualifikation will das Unternehmen abklopfen, ob der Bewerber ins Team passt, welche sozialen Kompetenzen er mitbringt und vor allem, wie gut er sich auf das Unternehmen und die avisierte Stelle vorbereitet hat. Demnach ergeben sich folgende Aspekte, die Ihr Gegenüber garantiert hinterfragt:
Bedenken Sie dabei, dass Ihr Gesprächspartner unter Erfolgsdruck steht. Er muss, meist in kürzester Zeit, den Kandidaten finden, der am besten auf die vakante Stelle passt. Da versteht es sich von selbst, dass manche Dinge besonders konsequent hinterfragt werden. Und genau aus diesem Grund, gibt es auch verschiedene Arten von Vorstellungsgesprächen:
Häufig begegnen dem Bewerber in einem Vorstellungsgespräch mehrere dieser Varianten.
Was Bewerber hinterfragen sollten
Aber auch für Bewerber ist es wichtig, sich vorher klar zu machen, was man im Rahmen des Gesprächs vom Unternehmen erfahren will. Schließlich sollten Sie sich auf der avisierten Stelle für einige Jahre wohl fühlen und mit Engagement und Zufriedenheit ausfüllen. Beobachten Sie deshalb das Umfeld und Ihre Gesprächspartner genau. Wie gehen die Kollegen miteinander um? Welchen Eindruck haben Sie von den Arbeitsplätzen? Machen die Mitarbeiter, die Ihnen begegnen einen zufriedenen Eindruck? Herrscht im Büro eine gespannte oder entspannte Atmosphäre. Viele dieser Dinge lassen sich gut beobachten, während Sie auf Ihren Gesprächspartner warten oder wenn Sie durch das Unternehmen geführt werden. Was die Stelle und das Unternehmen angeht, gibt es eine Menge von Fragen, die für Sie von Interesse sind und die Sie auch stellen sollten. Ausführlich behandeln wir dieses Thema im 2. Teil unserer Serie.
Die richtige Vorbereitung
Nehmen Sie zum Gespräch eine Kopie Ihres Bewerbungsschreibens und des Lebenslaufs mit sowie eventuell angeforderte Zeugnisse und das Einladungsschreiben. Hilfreich ist oft ein Notizblock und ein Stift (beides neutral und nicht mit Logo des derzeitigen Arbeitgebers).
Informieren Sie sich so gut es geht über das Unternehmen. Das ist mehr als den Firmenname und -sitz in Erfahrung zu bringen. Hier einige Informationen, die Sie über das Unternehmen in Erfahrung bringen sollten:
Die meisten Informationen finden Sie auf der Internetseite des Unternehmens, aber auch über andere Quellen, wie die StepStone Firmenporträts, denn hier stellen sich viele Unternehmen dar, die Mitarbeiter einstellen.
Darüber hinaus sollten Sie in der Presse recherchieren (ein Stichwort in Google reicht), um heraus zu finden, wie das Unternehmen von außen eingeschätzt wird. Für viele Positionen, insbesondere Führungskräfte, wird ein solides Wissen über das Unternehmen vorausgesetzt. Mit allen Details, die Ihnen bekannt sind, können Sie im Vorstellungsgespräch punkten und sich außerdem selber ein gutes Bild davon machen, ob die Unternehmenskultur und wirtschaftliche Lage der Firma Ihren Vorstellungen entspricht. Alle Informationen, die Sie nicht über öffentliche Quellen heraus finden, können mögliche Fragen sein, die Sie zum Unternehmen haben.
Die eigenen Stärken und Schwächen kennen
Fragen zu Ihren persönlichen Stärken, Erfolgen bzw. Schwächen oder Niederlagen kommen ganz bestimmt. Darauf können Sie sich sehr gut vorbereiten, ohne in die gängigen und oft unglaubwürdigen Floskeln zu verfallen. Befassen Sie sich vor dem Vorstellungsgespräch noch einmal ausführlich mit Ihrem Werdegang, denn in der Aufregung des Jobinterviews fällt einem oft nichts Prägnantes ein. Was waren Ihre größten beruflichen Erfolge (oder Erfolge im Studium)? Welche Tätigkeiten haben Ihnen Lob eingebracht und Sie besonders stolz gemacht. Für das Gespräch ist es gut, wenn Sie anschauliche Beispiele parat haben, die Aussagen zu Ihren persönlichen Stärken untermauern. Verinnerlichen Sie sich außerdem, was Sie von anderen Bewerbern unterscheidet. Schauen Sie sich an, was Sie dazu in Ihrem Bewerbungsschreiben aufgeführt haben.
Wer behauptet, er habe keine schwachen Seiten, wirkt unglaubwürdig. Bereiten Sie sich deshalb auch auf diese Frage vor. Es versteht sich von selbst, dass Ihre Schwächen nicht die Kernmerkmale der avisierten Aufgabe betreffen, Sie sich z.B. als angehender Verkäufer nicht als kontaktfreudig bezeichnen. Lesen Sie Ihre bisherigen Arbeitszeugnisse, denken Sie zurück an Beurteilungsgespräche oder fragen Sie Ihre Freunde und Bekannten. Sicher werden Sie darauf hin einige Kompetenzen finden, die noch ausbaufähig sind. Unabhängig von Ihrer Antwort ist es wichtig, dass Sie sich auch mit Ihren persönlichen Schwächen auseinander gesetzt haben und bereit sind, daran zu arbeiten.
Der Ablauf des Gesprächs
In der Regel folgt das Vorstellungsgespräch einem gängigen Ablauf. Er beginnt damit, dass man Sie fragt, wie die Anfahrt war und ob Sie sich gut zurecht gefunden haben. Antworten Sie auf diese einleitenden Fragen knapp und freundlich, und erzählen Sie nichts vom morgendlichen Stress im Badezimmer, dem verspäteten Zug und dem verpassten Anschluss. Dann wird man Ihnen Ihre Gesprächspartner vorstellen. In den meisten Fällen haben Sie es mit einem Vertreter aus der Fachabteilung und einem Personalsachbearbeiter zu tun. Nach den Fragen zu Ihren Qualifikationen und zu Ihrem Werdegang, folgen Fragen zu Ihrer Person. Eventuell werden Sie danach aufgefordert, eine Arbeitsprobe oder Fallstudie zu erstellen, z.B. aufgrund einiger Eckdaten eine spontane Verkaufspräsentation zu halten. Am Ende wird Ihnen die Gelegenheit gegeben, selber Fragen zu stellen, manchmal werden Sie durch das Unternehmen geführt. Dann folgt die Verabschiedung mit der unverbindlichen Aussage "Sie werden von uns hören".
Ihr Verhalten
Ganz wichtig ist es mit der richtigen Einstellung in das Gespräch zu gehen. Überheblichkeit ist ebenso unangebracht wie 'falsche' Bescheidenheit. Bedenken Sie, dass Sie nicht als "Bittsteller" beim Unternehmen vorsprechen. Immerhin hat man Sie eingeladen, weil Ihr bisheriger Werdegang überzeugt hat und das Unternehmen von Ihrer Qualifikation profitieren möchte. Und dass Ihre Persönlichkeit auf dem Prüfstand steht, sollten Sie gelassen nehmen. Es ist in Ihrem Sinne, zu prüfen, ob Sie zu dem Unternehmen passen, denn nichts ist schlimmer, als sich nicht in die Mentalität des Teams und die Unternehmenskultur anpassen zu können. Seien Sie deshalb sehr authentisch und benehmen Sie sich so entspannt, wie die Aufregung über das Gespräch es zulässt. Versuchen Sie nicht, Charaktereigenschaften vorzuspielen, die sie nicht besitzen, denn das merkt Ihr Gesprächspartner sofort. Lassen Sie sich durch hartnäckige Fragen, durch ein Kreuzverhör im Stressinterview oder durch eine spontane Arbeitsprobe nicht aus der Ruhe bringen. Ebenso wenig sollten Sie versuchen, das Gespräch selber in die Hand zu nehmen und zu forsch aufzutreten. Hören Sie aufmerksam zu und unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner auf keinen Fall.
Achten Sie auf Ihre Körpersprache, Ihre Stimme und Ihre Mimik. Sprechen Sie laut und deutlich, "verstecken" Sie sich nicht hinter verschränkten Armen und wenden Sie sich offen Ihrem Gesprächspartner zu. Lächeln Sie und halten Sie Blickkontakt. Achten Sie auf die Körpersignale Ihres Gegenübers, wenn dieser gelangweilt drein blickt, sollten Sie den Monolog über Ihre Diplomarbeit zügig beenden. Aufmunterndes Kopfnicken und ein Lächeln sind gute Signale, die eine entspannte Gesprächsatmosphäre schaffen. Wenn Sie als Frau im Vorstellungsgespräch Ihre Haare zusammen gebunden haben, werden Sie nicht verleitet, mit Haarsträhnen zu spielen und ein Hosenanzug bewahrt Sie davor, während des Gesprächs zu befürchten, man könne Ihnen unter den Rock schauen.
Checkliste für das Vorstellungsgespräch
1) Organisatorische Vorbereitung
2) Inhaltliche Vorbereitung
3) Verhalten während des Gesprächs
Weitere interessante Artikel
© StepStone, 2009