Bei Teamaufgaben im Assessment Center punkten
Teamaufgaben im Assessment Center: Lesen Sie, was der Personaler über Sie herausfinden möchte.
In einer Business-Life-Simulation sollen vier Mitarbeiter die schlechte Bilanz einer Textilfirma in drei Vierteljahresschritten verbessern. Sie haben 90 Minuten Zeit, können den zwei anwesenden Beratern fachliche Fragen stellen. Die Aufgabe ist Teil eines Personalförderungsprogrammes der Norddeutschen Affinerie. "Es geht darum, wie die Mitarbeiter kommunizieren, wie sie sich an der Problemlösung beteiligen und ob sie den Prozess mitsteuern", sagt Personalleiter Wolfgang Wietbrok. "Und um die Fähigkeit, Prozesse zu beschleunigen. Die Berater beobachten, welche Rolle jeder Mitarbeiter in der Gruppe übernimmt, ob er eine feste Position bezieht und diese überzeugend vertritt oder bei verbalem Gegenwind ausweicht."
Sachverhalt analysieren
Statt zu Outdoorübungen, bei denen der Beitrag des Einzelnen schwer zu beobachten sei, griffen Firmen lieber zu Unternehmensplanspielen, sagt die Personalberaterin Iris Ohlig. "Das sind Abbilder der realen Unternehmenssituation, die eine Lösung erfordern." In einer vorgegebenen Zeit von meistens 30, 60 oder 90 Minuten müsse der Sachverhalt zunächst analysiert werden. "Zu den Kriterien, um die es in dem Test geht, gehören strategisches und vernetztes Denken, Moderieren und Strukturieren sowie Entscheidungsfreude", sagt die Diplom-Psychologin.
Führungspotenzial zeigen
Ob jemand Menschen motivieren und mitziehen kann, seien weitere Fragen bei der Beurteilung der Gruppenmitglieder, sagt Beiersdorf-Personalleiter Hans-Joachim Bartels. "Es geht auch darum Initiative zu ergreifen." Wenn jemand in der Diskussion ans Flipchart geht, sei das für viele ein Zeichen, dass er die Führung übernehme. "Häufig jedoch wird derjenige bestenfalls zum Moderator und bringt sich durch das Aufschreiben selbst nicht mehr ein." Unkontrollierter Aktionismus sei bei der Lösung der Aufgaben ebenfalls nicht empfehlenswert. Bartels: "Oft sind die am effektivsten, die zu Beginn der Diskussion ruhig sind und zuhören um dann später unvermutet aus der Deckung zu kommen." In der Diskussion gehe es um die Balance zwischen Ellenbogen zeigen und Motivierung anderer Teammitglieder aufgrund eigener Überzeugungskraft", sagt Jens-Peter Stehnke, HR-Manager bei Unilever. "Und auch darum sich gerade zu machen und bei seiner Meinung zu bleiben."
Gemeinsame Lösungen entwickeln
Wenn jemand sein Konzept in der Gruppe zu 100 Prozent durchsetzen will, sei dies ein grober Schnitzer, sagt Ulrich Henken, psychologischer Personalberater bei Lufthansa Technik. "Es geht um eine gemeinsame Lösung und darum, Konflikte sachlich zu lösen." Die Kandidaten müssten ihre intellektuelle Problemlösungskompetenz einsetzen. Henken nennt das "Seine PS auf die Straße bringen". Es sei darauf zu achten, dass auch stillere Kandidaten eingebunden und Ideen anderer aufgegriffen werden, die sonst in der Diskussion untergehen." Statt eine Auffassung zu kritisieren sei es besser, nachzufragen weshalb derjenige so argumentiere.
Authentizität zahlt sich aus
Personalberaterin Ohlig rät davon ab, bei der Teamaufgabe im AC eine Rolle zu spielen, die nicht der eigenen Persönlichkeit entspreche. "Seien Sie wie Sie sind, möglichst authentisch. Sonst geht es spätestens in der Probezeit schief."
Autorin: Andrea Pawlik
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Hamburger Abendblatt