Austreibung der Plagegeister
Auch im Berufsleben gibt es Nörgler, Angeber und Scheinheilige, die uns täglich die Stimmung vermiesen. Ein Stufenmodell soll helfen, die Nervensägen zu dressieren.
Chefs, die mit ihren Ausbrüchen ihre Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzen. Kollegen, die - besonders hinterher - immer alles besser wissen. Und die unverbesserlichen, nörgelnden Kunden. Allesamt Plagegeister, die tagtäglich unsere Nerven malträtieren. Sie vermiesen allen anderen die Stimmung und dämpfen die Motivation im Betriebsalltag nachhaltig.
Die Kommunikationstrainerinnen Gabriele Cerwinka und Gabriele Schranz haben festgestellt, daß kein anderes Thema so oft nachgefragt wird, wie das zum Umgang mit schwierigen Menschen. Egal, ob in einem großen Industriebetrieb, beim Familienunternehmen oder im Dienstleistungsbereich: Viele Menschen werden in schwierigen Situationen zu Nervensägen. Und unsere aktuelle Berufswelt mit ihrem Kosten- und Effizienzdruck bietet dafür das geeignete Klima.
Ein Drei-Stufen-Aktionsplan soll helfen, die Nervensägen zu dressieren
Bei dieser Methode zur Nervenschonung lernen die Anwender, ihre ganz persönliche Nervensäge zu identifizieren, die eigenen Reaktionen zu analysieren und schließlich einen friedlichen Umgang mit dem Unruhestifter zu finden. Neun verschiedene Typen von Nervensägen gibt es: den Angeber, den Besserwisser, den Negativen, den Nörgler, den Vulkan, den Machthungrigen, den Scheinheiligen, den Harmoniesüchtigen und den Zyniker. Der Angeber etwa ist absolut humorlos, vor allem wenn es um seine Person geht. Fragen zu konkreten Details weisen ihn in die Schranken und bringen ihn zum Rückzug. Das Auffälligste am Besserwisser ist seine schulmeisterliche Art. Er mischt sich überall ein und redet belehrend von oben herab. Vereinbarungen mit ihm sollten am besten schriftlich festgehalten werden. Wer mit einem Nörgler im Büro sitzt, ist nicht zu beneiden. Ein Nörgler kann ein ganzes Team anstecken und bewirken, daß sich wirklich jeder schlechter fühlt. Gegenmittel: Grenzen Sie sich bewußt ab und zeigen Sie Optimismus! Der Vulkan gleicht einem wütenden Stier in der Kampfarena und ist stets unter Anspannung. Bitten Sie ihn um einen gemäßigten Ton. Und versuchen Sie es mal mit einer Portion Humor.
Für nervendes Verhalten im Beruf gibt es verschiedene Ursachen
Die Hauptursache ist mangelhafte Kommunikation. Mißverständnisse sind einige der häufigsten Ursachen für schwierige Beziehungen. Oft haben wir im Umgang mit schwierigen Menschen das Gefühl, wir sprechen eine ganz andere Sprache. Nur wer offen und für die Sicht des anderen aufgeschlossen auf den anderen zugeht, kann die richtigen Worte finden.
Ursache Nummer zwei ist Organisationsdruck. Schlanke Organisationen stellen die Konzentration auf die eigentlichen Kernaufgaben in den Mittelpunkt. Was zählt, ist der kostengünstigste Ablauf. Immer weniger Mitarbeiter sollen die hochgesteckten Ziele erreichen und dabei auch noch Eigenverantwortlichkeit, unternehmerisches Denken und Flexibilität zeigen.
Eine von den beiden Expertinnen entwickelte Strategie im Umgang mit Nervensägen ist das "Feind-Freund-Modell". Bei diesem Ansatz geht es darum, in einem Stufenmodell den eigenen Stil im Umgang mit Nervensägen zu finden, aus dem ganz persönlichen "Feind" in Zukunft einen "Freund" zu machen. Freilich wird nicht jede gezähmte Nervensäge gleich zu einem Freund fürs Leben. In der Analyse-Phase wird zunächst untersucht, in welche Kategorie ihre ganz persönliche Nervensäge fällt.
Im
Umfeld-Check prüfen Sie, in welchen Situationen die Nervensäge beginnt, aktiv zu werden. In der
Lern-Phase geht es um Sie selbst. Warum reagieren Sie so genervt auf den anderen? Was stört Sie besonders? Und: Sind Sie vielleicht sogar selbst eine Nervensäge? Nur wer ehrlich zu sich selbst ist und seine Empfindungen erkennt, lernt auch damit umgehen. Und nur wer Sache und Emotion trennen kann, kommt auch weiter.
In der
Change-Phase schließlich geht es ans Umsetzten der gewählten Strategien. Zeigen Sie sich verständnisvoll und freundlich, bleiben sie aber konsequent, wenn es um Sachfragen geht. Und: Formulieren Sie bewußt anders als üblich und nach Möglichkeit positiv, um erstarrte Verhaltensmuster aufzuweichen. Überraschen sie ihre Nervensäge auch mal mit einer anderen Reaktion und gehen Sie ein Wagnis ein. Und vor allem: Werden Sie aktiv, statt über eine schwierige Situation weiter zu klagen!
Cerwinka, Schranz: Nervensägen - So zähmen Sie schwierige Mitarbeiter, Chefs und Kunden, Linde Verlag, 14,90 Euro
Marie-Thérèse Nercessian
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