Ob für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter oder bei veränderten familiären Verhältnissen: Der Versicherungsschutz muss der jeweiligen Situation angepasst sein. Unser Experte sagt, was man beachten muss.
Christoph Prüfer-Faber ist Bereichsleiter Marketing bei der Deutschen Ring Unternehmensgruppe. Das Traditionsunternehmen bietet seit über 90 Jahren Lösungen für die Alters-, Gesundheits- und Risikovorsorge an.
Herr Prüfer-Faber, welche Versicherung brauche ich als Berufseinsteiger?
An erster Stelle steht die Absicherung der Arbeitskraft. Leider ist den meisten Arbeitnehmern nicht bewusst, dass sie im Falle einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit lediglich minimal durch staatliche Hilfen abgesichert sind. Bereits seit 2001 erhalten Arbeitnehmer, die nach 1963 geboren wurden, keine staatliche Berufsunfähigkeitsrente mehr. Die seitdem eingeführte Erwerbsminderungsrente stellt nur noch eine minimale Basisabsicherung dar. Da Young Professionals in der Regel nur über ein dünnes finanzielles Polster verfügen, ist es besonders wichtig, dieses Risiko von Anfang an abzusichern. Das geht sowohl über eine Berufsunfähigkeits- als auch eine Unfallversicherung. Man kann auch eine Zusatzvereinbarung zur Lebensversicherung vereinbaren, die im Falle der Berufsunfähigkeit einspringt.
Welche Vorteile bieten die einzelnen Modelle?
Im Gegensatz zur Unfallversicherung, die nur leistet, wenn Sie tatsächlich aufgrund eines Unfalls invalide werden, umfasst die Berufsunfähigkeitsversicherung auch psychische Krankheiten, Schäden in Folge von körperlicher Fehlbelastung, wie Bandscheibenvorfälle u.ä. Zusatzbausteine zur Lebensversicherung bieten den Vorteil, dass man Risikoabsicherung mit privater Altersvorsorge kombinieren kann.
Was sollten junge Arbeitnehmer neben der möglichen Berufsunfähigkeit noch bedenken?
Gesundheitsvorsorge ist ein weiteres wichtiges Thema: Die meisten Berufseinsteiger sind Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Leistungen aus den öffentlichen Kassen in Zukunft weiter drastisch reduziert werden. Beispiel Zahnersatz: Hier werden die Arbeitnehmer seit einem Jahr zusätzlich zur Kasse gebeten. Jeder sollte sich überlegen, welche Leistungen er über eine zusätzliche private Versicherung abdecken möchte, z.B. die bereits genannten Kosten für Zahnersatz oder für einen Krankenhausaufenthalt.
Ändern sich die Ansprüche an Versicherungen für Professionals, die bereits fest im Beruf etabliert sind über ein gewisses Einkommen verfügen und eventuell auch eine Familie zu versorgen haben?
Nach wie vor stehen die bereits genannten Themen für den Arbeitnehmer im Vordergrund, d.h. er sollte prüfen, ob sein Versicherungsschutz noch dem gestiegenen Lebensstandard entspricht. Verträge mit Dynamik können dies mitunter abfedern, es gibt allerdings auch Modelle, die eine Anpassung des Versicherungsschutzes bei Karrieresprüngen anbieten.
Hat man eine Familie gegründet, sollte man auf jeden Fall für einen adäquaten Todesfallschutz sorgen. Wie der aussieht, ist ganz individuell und hängt beispielsweise davon ab, ob Hypotheken zu zahlen sind, ob der Partner über eigenes Einkommen verfügt etc. Eventuell ist jetzt auch der Schritt in die private Krankenversicherung möglich und sinnvoll.
Wie steht es mit technischen Berufen? Es gibt viele Arbeitnehmer, die in Ihrem Job einem gewissen Unfallrisiko ausgesetzt sind, weil sie beispielsweise mit schweren Maschinen oder gefährlichen Werkstoffen hantieren. Ist man da voll über den Arbeitgeber abgesichert?
Nein, auch diese Leute brauchen eine Berufsunfähigkeitsversicherung und insbesondere einen Invaliditätsschutz, sprich eine Unfallversicherung. Im Falle eines Unfalls hat man nur eine minimale Basisabsicherung zu erwarten.
Gehen wir davon aus, dass jemand große Karrieresprünge macht. Was gibt es zu beachten, wenn man es in die Top-Management-Ebene schafft?
Je nach Gesellschaftsform ist für Top-Manager zu empfehlen, eine Vermögensschaden-Haftplichtversicherung abzuschließen. Auf jeden Fall sollte dieser Punkt beim Arbeitgeber angesprochen und als Teil des Vertrages mitverhandelt werden. Für Vorstände und Gesellschafter ändert sich auch die gesetzliche Rentenversicherung. Je nach Position kann man sich von der gesetzlichen Rentenpflicht befreien lassen. Dann sollte man allerdings für eine entsprechende Absicherung über Unterstützungskassen, Pensionsfonds o.ä. sorgen.
Unabhängig von Alter und Position - welche Versicherungen sind für Arbeitnehmer unabdingbar?
Hier muss man trennen, zwischen Risikoabdeckung und Altersvorsorge. Heutzutage sollte jedem Arbeitnehmer klar sein, dass er privat für sein Alter vorsorgen muss. Das Thema Vermögensbildung und Altersvorsorge ist sehr umfangreich und sollte frühzeitig mit einem vertrauensvollen Ansprechpartner besprochen werden.
Was die Risikoabdeckung angeht, unterschätzen leider viele Menschen den Wert der guten alten Privat-Haftpflichtversicherung. Das ist aber ein existenzielles Risiko. Ein Haftpflichtschaden kann schnell in die Hunderttausende gehen und jemanden finanziell ruinieren. Außerdem macht eine Rechtsschutzversicherung Sinn, diese sollte unbedingt auch arbeitsrechtliche Themen einschließen.
Unterstützen Unternehmen ihre Mitarbeiter auch in einigen privaten Versicherungen? Wann lohnt es sich, in der Personalabteilung nach Zuschüssen zu fragen?
Unabhängig davon, ob man gesetzlich oder privat krankenversichert ist, muss der Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge bezahlen, bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze. Je nach Firmenphilosophie, kann bei privat Versicherten auch ein Zuschuss ausgehandelt werden, welcher die Hälfte der privaten Beiträge überschreitet und bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze möglich ist.
Zahlt der Arbeitgeber Vermögenswirksame Leistungen, kann man diese auch für eine Lebensversicherung verwenden. Last but not least, gibt es noch die betriebliche Altersvorsorge. Hier gibt es viele, teilweise durch Tarifverträge geregelte Modelle. Man sollte also auf jeden Fall in seiner Personalabteilung nachfragen, welche Durchführungswege gefördert werden, z.B. Pensionskassen, Direktversicherungen oder Unterstützungskassen.
Vielen Dank für das Gespräch.