Arbeiten in Indien
Land & Leute
Der Subkontinent Indien, mit seiner erstarkenden Wirtschaft und einem prominenten IT-Sektor, rückt immer mehr ins Bewusstsein Europas, sei es durch die Beliebtheit der Bollywood-Filme oder die stets wachsenden Handelsbeziehungen. Es beeindruckt durch eine vielfältige Kultur sowie der Spannung zwischen alten Traditionen und modernem Leben. Doch dort arbeiten? Das ist allenfalls etwas für Entwicklungshelfer, denken viele Leute. Dennoch leben und arbeiten circa 2.500 Deutsche in Indien, viele davon in der Wirtschaft und im Bildungswesen.
Indien ist seit 1950 eine parlamentarische Demokratie mit einer großen Anzahl von Parteien. Die Regierung erkennt den Schutz der Menschenrechte komplett an, deren Umsetzung wird jedoch noch häufig kritisiert. 28 Staaten bilden einen sehr heterogenen Staat mit über einer Milliarde Einwohnern aus verschiedenen Ethnien, Religionen und mit 24 offiziellen Sprachen aus vier Sprachfamilien. Die meisten Inder sind Hindus, und Religion ist sehr prominent im öffentlichen Leben. Muslime und Christen gibt es ebenfalls, zudem diverse kleinere Religionsgemeinschaften, darunter Sikhs und den Janaismus. Englisch ist keine offizielle Sprache, aber eine häufig genutzte, vor allem unter gut ausgebildeten Menschen. Überregionale Zeitungen sind ebenfalls teilweise in Englisch.
Für Ausländer reicht es also zunächst, Englisch zu beherrschen, wobei einige Grundkenntnisse in Hindi in vielen Situationen weiterhelfen.
Einreise und Aufenthalt
Für Reisen nach Indien ist ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass und ein Visum erforderlich. Touristenvisa werden mit einer Gültigkeitsdauer von sechs Monaten ab Ausstellungsdatum ausgestellt, wobei mehrmalige Einreisen möglich sind (multiple entry visa). Die Einreise muss innerhalb von sechs Monaten nach Ausstellung des Visums erfolgen und berechtigt zu einem Aufenthalt in Indien für die Restlaufzeit des Visums.
Ein Arbeitsvisum wird für maximal ein Jahr ausgestellt, um dieses zu beantragen braucht man allerdings den Nachweis der Beschäftigung bei einem Unternehmen in Indien.
Bei einem Aufenthalt von mehr als sechs Monaten besteht eine Registrierungspflicht beim District Foreigners' Registration Office bzw. beim Foreigners' Regional Registration Office, welche innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft wahrgenommen werden muss. Der Vorteil daran ist, dass diese Registrierung einem die Möglichkeit eröffnet, einheimische Ticketpreise zu bekommen, die erheblich günstiger sind. Zudem ist bei einem Aufenthalt von mehr als sechs Monaten eine Tax Clearance vor der Abreise notwendig.
Arbeitsbedingungen

Das Durchschnittseinkommen betrug 2006 etwa 32.000 Rupien, das entspricht in etwa 540 Euro. Gleichzeitig muss etwa ein Viertel der Bevölkerung Indiens mit weniger als einem USD täglich auskommen und knapp 80% der Bevölkerung leben von bis zu zwei USD am Tag. In den Wirtschaftszentren wird allerdings weit mehr verdient und die Zahl der Millionäre in Indien wächst täglich.
Vor allem in der Wissenschaft und Forschung hat Indien nicht nur einen ausgezeichneten Ruf, sondern tut tatsächlich sehr viel. So nimmt das Land bei der Zahl der Alexander von Humboldt-Stipendiaten weltweit nach den USA und Japan den dritten Rang ein. Der Austausch von Wissenschaftlern und Studenten hat eine lange Tradition, die durch Regierungsabkommen gestützt wird. So gibt es beispielsweise ein Programm, das Studenten der sieben Indian Institutes of Technology und sieben deutschen Technischen Hochschulen einen neunmonatigen Aufenthalt an der Partneruniversität im Rahmen des Masterstudiums ermöglicht.
Tipps für das Arbeiten in und Geschäftsbeziehungen nach Indien
- Pünktlichkeit wird geschätzt, aber nicht unbedingt geliefert, daher sollte man seine Termine flexibel handhaben. Geschäftliche Termine sollten wenn möglich zwischen 11 Uhr morgens und 4 Uhr nachmittags liegen.
- Entscheidungen werden von Indern stets lange überdacht. Daher sollte man bei Fristen nicht zu sehr drängen: Ungeduld gilt als aggressiv, unfreundlich und respektlos. Seine Würde zu bewahren ist ebenfalls sehr wichtig, daher sollte Kritik nur sehr vorsichtig und gefühlvoll geäußert werden. Smalltalk um Rapport herzustellen ist ein wichtiger Aspekt des Verbindungsaufbaus zu einem potentiellen Geschäftspartner, beispielsweise, indem man sich nach seiner Familie erkundigt.
- Titel wie Professor oder Doktor müssen auf jeden Fall genutzt werden. Ansonsten nimmt man im geschäftlichen Bereich am besten die förmliche Anrede mit Mr./Mrs./Miss.
- Getränke oder Essen während eines Meetings sollten niemals abgelehnt werden. Wenn man selber etwas vorbereitet, sollte man daran denken, dass viele Inder Vegetarier sind und außerdem keinen Alkohol trinken.
Jobsuche und Bewerbung
Wer in Indien arbeiten möchte, sollte entweder drei Monate Zeit und Geld einplanen und vor Ort nach Arbeit suchen, oder sich vorab bei internationalen Firmen bewerben, die in Indien aktiv sind.
Gesundheitswesen und Sozialleistungen
In Indien gibt es zwar ein staatliches Gesundheitssystem, aber keine verpflichtende Krankenversicherung wie in den meisten europäischen Ländern. Das staatliche Gesundheitssystem hat ein sehr geringes Budget und ist hauptsächlich verantwortlich für Familienplanung und Impfkampagnen. Kosten für ambulante Arztleistungen müssen selbst bezahlt werden, sind allerdings auch sehr günstig. Für Krankenhausaufenthalte gibt es die Möglichkeit einer freiwilligen Versicherung, nach der man sich vor Ort erkundigen kann. Je nach Länge des Aufenthalts ist es die beste Option, eine Auslandskrankenversicherung vom Heimatland aus abzuschließen.
Ein Sozialsystem ist so gut wie nicht existent, die Familie ist immer noch das Netz, das einen im besten Fall auffängt.
Lohnniveau und Lebenshaltungskosten
Indien ist voller Gegensätze was Lebensstil und -möglichkeiten betrifft. Noch immer sind etwa 40 Prozent der Einwohner Analphabeten, fast genauso viele leben in Armut. Andererseits beruht ein großer Teil der Wirtschaft mittlerweile auf Wissen und Dienstleistungen. Es ist eine konsumstarke und moderne Mittelklasse entstanden. Mobiltelefone sind allgegenwärtig. Dabei bleibt stets der Gegensatz zwischen dem fortschrittlichen Leben in der Stadt und dem oft ärmlichen Landleben.
Dinge des täglichen Bedarfs, vor allem Lebensmittel, sind sehr günstig, dennoch kostet Leben nach europäischem Standard in Indien ähnlich viel wie in Europa. Mieten sind sehr teuer, öffentliche Verkehrsmittel, Essen, Dienstleistungen dagegen sehr günstig. Die Löhne schwanken massiv, je nachdem, ob man bei einer indischen Firma arbeitet oder bei einer europäischen Firma, die in Indien ansässig ist. Von einem indischen Einkommen zu leben dürfte in den meisten Fällen sehr schwer fallen.
Weiterführende Informationen
Offizielle Seite der indischen Regierung mit ausführlichen Informationen:
Online-Jobsuche:
Indien aktuell bietet viele Informationen sowie ein Austauschforum zu Leben, Studieren und Arbeiten in Indien:
Informationen zur Besteuerung von Expatriates:
http://incometaxindia.gov.in
StepStone, 2009