Arbeiten in den USA
Land und Leute
Nach wie vor sind die USA für viele das Land ihrer Träume, die sich "vom Tellerwäscher zum Millionär" oder "vom Bodybuilder zum Gouverneur" hocharbeiten wollen. Es liegt an den traditionellen unternehmerischen Freiheiten, dass Geschäftsideen in den USA sehr viel schneller und leichter umgesetzt werden können als in Europa. Auch gibt es weniger Schranken und Konventionen hinsichtlich erforderlicher Ausbildungswege. Somit sind und bleiben die Vereinigten Staaten ein attraktives Land für alle, die von einer großen Karriere träumen.
Doch zur Realisierung dieses Traums sind große Hürden zu nehmen. Man kann nicht einfach in die USA fliegen und dort einen Job suchen, denn der Aufenthalt ist nur mit Visum möglich. Somit heißt es 'hartnäckig' sein und von zu Hause aus alle Mittel nutzen, um eine Arbeitsstelle in den USA zu finden. Die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben hoch qualifizierte Fachkräfte mit Berufserfahrung, insbesondere im Bereich der IT, des Gesundheitswesens und der Forschung. Die Beherrschung der englischen Sprache in Wort und Schrift ist ein Muss für die Arbeitssuche.
Einreise und Aufenthalt
Wenn Sie Ihren Aufenthalt in den USA planen, dann überlegen Sie sich genau, was Sie dort machen möchten. Ist der Aufenthalt nur für einige Jahre geplant oder wollen Sie für immer auswandern? Werden Sie von Ihrer Firma dorthin versetzt, suchen Sie eine Arbeit oder wollen Sie einen eigenen Betrieb gründen?
Eine Einreise ohne Visum ist nur in wenigen Fällen möglich und auf max. 90 Tage begrenzt. Ansonsten gibt es für fast jede berufliche Situation ein unterschiedliches Visum. Das am häufigsten benutzte Arbeitsvisum (H1-B-Visum) wird nur an Personen vergeben, die einen Universitätsabschluss oder vergleichbare Ausbildung nachweisen können. Darüber hinaus gibt es aber auch besondere Visa für geringer qualifizierte Arbeitskräfte oder für besondere Berufsgruppen (Landwirtschaftliche Hilfskräfte, Pädagogen u.a.). Werden Sie von Ihrer Firma entsendet, müssen Sie ein anderes Visum beantragen als derjenige, der ein Geschäft gründen möchte usw. Informieren Sie sich also vorab genau, welchen Antrag Sie stellen müssen. (s. Links am Ende des Artikels).
Arbeitnehmer, die nicht von Ihrer Firma entsendet werden, müssen ein konkretes Arbeitsangebot haben. Dann muss zunächst der Arbeitgeber bei der amerikanischen Arbeitsbehörde nachweisen, dass er in Amerika keinen vergleichbar qualifizierten Mitarbeiter findet und erst dann können Sie Ihr Arbeitsvisum beantragen. Außerdem gibt es ein sehr restriktives Quotensystem, das die Zahl der Visa begrenzt.
Haben Sie diese Hürden genommen und den Visa-Antrag erfolgreich hinter sich gebracht, dann erhalten Sie eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Für das gängigste Visum H1-B wird eine Aufenthaltserlaubnis von 6 Jahren ausgestellt, für andere Berufsgruppen gelten mitunter andere Fristen. Nach Ablauf dieser Frist kann eine Verlängerung oder eine zeitlich unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis (Green Card) beantragt werden.
Green Card
Man braucht etwas Glück, um an eine Green Card zu gelangen. Dafür ist der Aufwand wesentlich geringer, denn es genügt ein formloser Antrag, der bei der zuständigen Behörde in Kentucky fristgerecht eingehen muss. Die USA verlost jedes Jahr 50.000 der begehrten unbefristeten Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Diese Lotterie heißt offiziell Diversity Visa Program (DV) und ist weltweit einmalig. Allerdings können nicht alle an der Verlosung teilnehmen, denn es gibt Einschränkungen im Hinblick auf das Herkunftsland. Außerdem muss man 12 Jahre Schulbildung oder mindestens 2 Jahre Berufserfahrung innerhalb der vergangenen 5 Jahre nachweisen können. Detaillierte Informationen findet man beim US-Amerikanischen Außenministerium (s. Links am Ende des Artikels). Ferner gibt es viele Organisationen, die gegen Gebühr das Bewerbungsverfahren koordinieren und beim Antrag behilflich sind. Ob man sich einer solchen Organisation bedient oder nicht, hat allerdings keine Auswirkung auf das Ergebnis, denn alle Anträge, die die Voraussetzungen erfüllen werden gleich behandelt und die 'Gewinner' werden per Zufallsgenerator ermittelt.
Jobsuche und Bewerbung

Da das Prozedere der Visa-Beantragung auch für den Arbeitgeber in den USA langwierig ist, muss dieser Arbeitgeber Sie wirklich wollen. Beste Chancen haben daher hoch-qualifizierte Arbeitskräfte, die auf gefragte Bereiche spezialisiert sind, insbesondere im Dienstleistungsbereich (z.B. ITler, Ingenieure, Pädagogen, Mediziner und Forscher). Da hilft nur, hartnäckig bewerben und am Ball bleiben. Mit ein wenig Glück findet sich der Traum-Arbeitgeber. Die Einreise mit Touristenvisum zur Jobsuche ist nicht erlaubt. Deshalb müssen Sie versuchen, Ihren Job von zu Hause aus zu suchen. Nutzen Sie vorhandene Kontakte, um sich spontan zu bewerben und checken Sie die Online-Stellenbörsen auf passende Anzeigen (s. Links). Beachten Sie, dass ein Flug in die USA unumgänglich sein wird, um sich vor Ort vorzustellen.
Initiativbewerbungen sind in den USA durchaus üblich. Sie sollten sich im Vorfeld sehr genau über das Unternehmen informieren, damit Sie in Ihrer Bewerbung gut darlegen können, warum Sie gerade dieses Unternehmen als Arbeitgeber interessiert. Ihre Bewerbung sollte kurz und prägnant sein. Erläutern Sie in Ihrem Anschreiben Ihre besonderen Qualifikationen, wenn möglich anhand beruflicher Erfolge. Der Lebenslauf wird chronologisch rückwärts angeordnet, so dass die letzte Beschäftigung als erstes aufgeführt ist. Achten Sie auf 'political correctness' und unterlassen Sie Angaben zu Religion, ethnischer Herkunft u.ä. Auch ein Foto ist nicht üblich. Neben Aussagen zu Ihrer Qualifikation und Berufserfahrung müssen Sie auch Referenzen beifügen, denn die sind in Amerika sehr wichtig. Ihre Referenzgeber sollten informiert sein, denn eventuell ruft das interessierte Unternehmen bei ihnen an, um sich über Ihre Qualifikationen zu erkundigen. Außerdem sind alle Unterlagen hilfreich, die Ihren Charakter und Ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, wie Arbeitsproben, gemeinnützige Tätigkeiten u.ä.
Auch wenn die Umgangsweise in Amerika für uns sehr locker erscheint (ein 'Sie' gibt es immerhin in der Sprache gar nicht), sollte man beim wichtigen 'Small-Talk' zurückhaltend bleiben und sensible Themen unbedingt vermeiden. Die Kleidung ist meist sehr förmlich - Anzug für Männer, Kostüm für Frauen.
Arbeitsbedingungen
Das Land des American Dream ist auch das Land von 'hire and fire'. So schnell, wie man ein Arbeitsverhältnis bekommt, kann man es auch wieder los sein. Dies liegt an dem sehr geringen Einfluss der Gewerkschaften und dem de-regulierten Arbeitsmarkt. Amerikaner sind harte Arbeiter und erledigen ein sehr hohes Arbeitspensum. So sind 50 Arbeitsstunden in der Woche keine Seltenheit und in der Regel gibt es auch weniger Urlaub als Europäer es gewohnt sind. Zudem werden viele Arbeitnehmer während der Urlaubs- oder Krankheitszeit nicht bezahlt. Geringverdiener haben häufig mehrere Jobs, um sich ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Es gibt allerdings auch viele Arbeitgeber (vor allem außerhalb der großen Metropolen), die Ihren Mitarbeitern fürsorglich zur Seite stehen (von Betriebssportprogrammen bis zu firmeneigenen Wohnungen). Letzlich sind alle Leistungen des Arbeitgebers verhandelbar.
Sozialversicherung
Arbeitnehmer sind sozialversicherungspflichtig und die Beiträge werden vom Arbeitgeber einbehalten. Die amerikanische Sozialversicherung umfasst Leistungen wie z.B. Alters-, Hinterbliebenen- und Versehrtenrenten, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe. Die Krankenversicherung ist prinzipiell freiwillig und somit nicht grundsätzlich mit abgedeckt. Arbeitnehmer kommen meist automatisch in den Genuss einer Gruppenkrankenversicherung, die über das Unternehmen läuft. Unter Umständen übernimmt der Arbeitgeber sogar die Beiträge oder diese werden je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber eingezahlt. Dennoch werden viele medizinische Leistungen und Medikamente oft nicht abgedeckt und man sollte sich auf jeden Fall zusätzlich versichern. Dafür ist ein Vergleich der Angebote unumgänglich, denn der Leistungsumfang der Krankenversicherungen variiert sehr stark. Eine Zusatzversicherung hat einen weiteren Vorteil: Verliert man seinen Job, verliert man in der Regel auch den Versicherungsschutz über die Firma. Wenn Sie nicht regulär angestellt sind - als Praktikant, Freiberufler usw. - müssen Sie sich um Ihre Krankenversicherung selbst kümmern.
Weiterführende Informationen
Allgemeine Informationen zu Visa und Green Card sowie eine umfangreiche Linksammlung bei der Amerikanischen Botschaft:
Informationen zur Anerkennung von "Foreign Diploma and Credit" in den Vereinigten Staaten:
Online-Stellenbörse für Nordamerika:
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StepStone, 2007