Arbeiten in China
Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG expandierte bereits 1983 nach China und gehört damit zu den unternehmerischen Pionieren im Reich der Mitte. Heute besitzt KPMG sechs Niederlassungen in China, in denen 3.500 Mitarbeiter beschäftigt sind.
Wir haben Herrn Thorsten Amann, den Leiter des China Desks von KPMG in Deutschland, gefragt, worauf Deutsche achten sollten, wenn sie in China arbeiten wollen.
Herr Amann, was macht arbeiten in China eigentlich so attraktiv?
Ich denke, dass es im Wesentlichen zwei Dinge sind: Zum einen ist es für viele reizvoll, an der Aufbruch- und Aufbaustimmung teilzuhaben, die mit dem Boom in China verbunden ist. Zum anderen spielt die fremde Kultur und Art, Geschäfte zu machen, eine Rolle. Beides übt auf uns Mitteleuropäer einen gewissen Reiz aus.
Wie sollten Deutsche vorgehen, wenn Sie in China arbeiten wollen? Was müssen sie beachten?
In aller Regel arbeiten Deutsche in China, die von ihren Firmen für einen bestimmten Zeitraum dorthin entsandt werden. Die Entsendung ist natürlich der Königsweg, denn in diesem Falle kümmern sich die entsendenden Firmen um alle Formalitäten und unterstützen ihre Mitarbeiter z.B. bei der Wohnungssuche.
Natürlich kann man auch versuchen, von Deutschland aus einen Job in China zu bekommen. Am Besten fragt man dann bei deutschen Unternehmen an, von denen man weiß, dass sie in China engagiert sind. Die Liste aller bei der Deutschen Handelskammer in China registrierten Firmen (das sind ca. 2.600) ist unter www.china.ahk.de frei zugänglich. Dort gibt es auch eine Seite für Jobsuchende. Wenn man sich hier bewirbt, sollte man aber schon erklären können, welchen Mehrwert man jeweils liefern kann. Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass die Arbeitserlaubnis vor Arbeitsbeginn erteilt werden muss.
Wo wird die Arbeitserlaubnis beantragt?
In China hat ein Antrag auf Arbeitserlaubnis nur dann Erfolg, wenn die Position nicht mit einem Chinesen besetzt werden kann. Der Arbeitgeber reicht das Antragsformular bei der lokalen Behörde ein mit einem Lebenslauf, einer Absichtserklärung auf Beschäftigung, einer schriftlichen Begründung/Qualifikation und einem Gesundheitszeugnis. Nach der Genehmigung durch die Behörde wird der Antrag an die Arbeitsbehörde weitergeleitet, bei der noch zusätzliche Unternehmensunterlagen eingereicht werden müssen. Die Einstellungsgenehmigung der Behörde muss zur Ausstellung des Visums vorgelegt werden.
Mit welcher Qualifikation hat man in China denn momentan gute Chancen? Welche Berufsgruppen werden gesucht?
Besonders gefragt sind zur Zeit Ingenieure, Maschinenbauer, Wirtschaftsingenieure und mehrsprachige Bewerber (z.B. perfekt in Deutsch, Englisch, Chinesisch) mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund. Mandarin-Kenntnisse sind für den Einstieg sehr wichtig, ohne sie wird die Jobsuche schwierig.
Das ist ein guter Punkt. Wie gehen denn Ihre Mitarbeiter mit den sprachlichen Problemen um?
Obwohl man im Geschäftsleben mit Englisch bei internationalen Firmen weitgehend zurecht kommen kann, geht bei chinesischen Firmen ohne fundierte Mandarin-Kenntnisse gar nichts. Folglich wird die Zahl der Mandarin-Sprecher unter unseren Kollegen in China überproportional zunehmen müssen.
Welche Verhaltensregeln sind zu beachten?
Es empfiehlt sich, ein interkulturelles Training vor einem längeren China-Einsatz zu absolvieren, da zahlreiche Verhaltensregeln anders sind als in Europa und man sich leicht blamieren kann. So gibt es beispielsweise beim Überreichen von Visitenkarten einiges zu beachten: Wird Ihnen eine Visitenkarte mit zwei Händen übergeben, dann sollten Sie sie auch mit zwei Händen annehmen. Hier nur eine Hand zu benutzen, wäre eine Beleidigung.
Auf welche Arbeitsbedingungen und welche Arbeitsmarktsituation trifft man zur Zeit in China?
In China vollzieht sich augenblicklich ein großer Qualitätssprung. Das bedeutet, dass in vielen Ein-Kind Familien die Eltern dafür sorgen, dass das einzige Kind studieren darf, um so einen "besseren" Job zu bekommen als die Eltern ihn haben. Jedes Jahr treten über 1,2 Mio. Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt; hinzu kommen über 120.000 Chinesen, die im Ausland studiert haben. Der Konkurrenzkampf ist sehr groß und die jungen Chinesen sind sehr engagiert. Da das Angebot an Absolventen zur Zeit die Nachfrage übertrifft, finden nicht alle eine Stelle.
Was sind Ihrer Erfahrung zufolge die größten Besonderheiten, an die sich Europäer in China gewöhnen müssen?
Es wird generell sehr viel und lange gearbeitet. Arbeiten am Wochenende und extreme Reisetätigkeit ist normal. Im Umgang mit chinesischen Kollegen braucht man sehr viel Feingefühl. Wer einmal die Beherrschung verliert, hat in der Regel schon verloren. Ist der Gesichtsverlust erst mal da, kann dies unter Umständen nicht repariert werden. Oft hilft hier nur ein Neuanfang.
Wie sind Sozialleistungen und Besteuerung geregelt?
Es gibt ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und China vom 4. April 2002, in dem geregelt ist, dass die Renten- und Arbeitslosenversicherung gegenseitig anerkannt werden. Das bezieht sich nicht auf die Kranken-, Pflege- und die Unfallversicherung, so dass hier eigenständig versichert werden muss. Das Abkommen gilt nicht für Hongkong und Macao. Staatliche chinesische Krankenhäuser entsprechen in der Regel nicht unseren Ansprüchen. Deshalb ist eine private Krankenversicherung für einen Auslandseinsatz unerlässlich. Empfehlenswert ist zusätzlich eine Krankenrücktransportversicherung. Unter dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und China (das nicht für Hongkong gilt!) ist geregelt, wann ein in China arbeitender Deutscher steuerpflichtig wird.
Wann wird man in der Regel in China steuerpflichtig?
Die unbeschränkte Steuerpflicht in China ergibt sich bei einem Aufenthalt von über 5 Jahren oder bei Ansässigkeit in China von einem Jahr oder länger. Ansässig ist man dann, wenn man in China einen festen Wohnsitz hat, an dem man sich permanent aufhält. Reisen von bis zu 30 Tagen bzw. insgesamt 90 Tagen in einem Jahr werden hierbei nicht beachtet. Unbeschränkte Steuerpflicht bedeutet, dass das weltweite Einkommen in China versteuert werden muss. Die Lohnsteuer muss in China monatlich abgeführt werden. Die Höhe ist zwischen 5 und 45% gestaffelt und richtet sich in der Regel nach der Höhe des Monatseinkommens. Ab 10.000 € ist der Höchstsatz von 45% fällig.
Vielen Dank für das Gespräch.
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StepStone, 2009